Takva - Gottesfurcht

Drama, D/TR 2006
Ein Mensch zwischen Ritualen und Realität

Ein Mensch zwischen Ritualen und Realität

Es gibt gute Gründe, dass Özer Kiziltans Film "Takva - Gottesfurcht" jetzt in die österreichischen Kinos kommt: Das Porträt eines streng gläubigen Muslimen, der an den Widersprüchen zwischen religiöser Innenwelt und moderner Außenwelt zerbricht, ist hoch aktuell. In der Panorama-Reihe der Berlinale und beim Filmfestival in Antalya wurde das Drama ausgezeichnet.

Muharrem (Erkan Can), die Hauptfigur in "Takva", ist ein einfacher Mann, der sein Seelenheil im anspruchslosen Leben nach den jahrhundertealten Regeln einer muslimischen Sekte sucht. Sein Alltag bewegt sich zwischen Arbeit, Haushalt und Gebet. Einzig seine erotischen Träume bringen Muharrem in Gewissensnöte. Doch das hindert das Oberhaupt der Sekte nicht, den bescheidenen Gläubigen mit einer wichtigen Aufgabe zu betrauen.

Muharrem soll die Immobilien der Sekte verwalten und Mieten eintreiben. Voller Angst, der Verantwortung nicht gewachsen zu sein, muss er sein enges Stadtviertel verlassen. Er wird konfrontiert mit dem ganz normalen Istanbul im 21. Jahrhundert: mit Schaufenstern voller Dessous, unverschleierten Frauen, mit bitterer Armut und offener Gier. Der Mann ist völlig überfordert von seiner eigenen Rolle im kleinen kapitalistischen System der Sekte, das von ihm komplizierte moralische Entscheidungen verlangt. Muharrem kommt selbst in Versuchung. Er verliert seine schlichte spirituelle Sicherheit und damit jeden Halt. Seine Seele zerbricht.

Großartig porträtiert Hauptdarsteller Erkan Can einen Mann, der zwischen alten Ritualen und einer nicht mehr dazu passenden Realität zerrieben wird. Doch sein innerer Konflikt explodiert nicht in Gewalt, sondern implodiert leise in individuellem Leid. Die Stärke von Fatih Akins Co-produziertem Film "Takva - Gottesfurcht" liegt dabei in der Distanz, mit der der Film die tiefe Gläubigkeit der Hauptfigur als unzeitgemäß schildert, ohne sie auch nur eine Sekunde lang zu verraten.

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