Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden

Drama, A/D/L 2011
Eine große Zuneigung mit Tabu

Eine große Zuneigung mit Tabu

Den Dichter Georg Trakl und seine Schwester Grete verband eine innige Liebe. Ob sie tatsächlich inzestuös war, ist historisch nicht belegt. Christoph Stark hat daraus das packende, intensives Leinwanddrama "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" geschaffen - mit brillanten Hauptdarstellern.

Es sind Gedichte voller Farben. Blau, rot, gelb, silber und schwarz, wie in einem Gemälde. Wortgewaltig und düster, ein grelles Bildnis aus Worten. Georg Trakl war kein glücklicher Mensch, doch seine Poesie bewegt die Menschen noch heute. 1914 nahm sich der Österreicher mit 27 Jahren das Leben, wenige Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges. Ein Kinofilm bringt nun das kurze Leben des berühmten expressionistischen Dichters auf die Leinwand mit Lars Eidinger als Georg Trakl und Peri Baumeister als seine Schwester Grete (Margarethe).

"Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" ist ein mitreißender, aufwühlender Film von Christoph Stark mit intensiven kammerspielartigen Momenten, in dessen Mittelpunkt die besondere Liebe zwischen den Geschwistern steht. Im Film ist es eine radikal inzestuöse Liebe, vor 100 Jahren ebenso verboten wie heute.

"Tabu" zeigt die zerstörerische Seite einer Liebe, die sich nicht erfüllen kann, zumindest nicht öffentlich. Nur hinter verschlossenen Türen geben sich Grete und Georg einander hin. Ihr Leben birgt ein Geheimnis, von dem nicht mal die Eltern wissen dürfen. Und doch erwächst gerade aus der Gefahr des Entdecktwerdens und ihrem Unglück eine ungezügelte, brennende Leidenschaft, die Trakl zu einigen seiner schönsten Gedichte inspiriert und der Pianistin Grete wundersame Kompositionen eingibt. Eindringlich zitiert der Film aus Trakls Gedichten, etwa aus "Blutschuld": "Es dräut die Nacht am Lager unsrer Küsse. Es flüstert wo: Wer nimmt von euch die Schuld? Noch bebend von verruchter Wollust Süße. Wir beten: Verzeih uns, Maria, in deiner Huld."

Der Film nach dem Drehbuch von Ursula Mauder konzentriert sich auf seine beiden Hauptdarsteller. Ob die Geschichte so wirklich wahr ist, interessiert weniger angesichts der packenden Leistung. Lars Eidinger brilliert als Dichter. Er zeigt Trakl als einen Getriebenen, befeuert vom unbändigen Wunsch, zu schreiben und gepeinigt von der unmöglichen Liebe.

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