Syndromes And A Century - Sang Sattawat

Drama, THA/F/A 2006
Krankenhaus-Alltag in Thailand

Krankenhaus-Alltag in Thailand

Geschichten aus dem Krankenhaus-Alltag erzählt der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul in seinem Streifen "Sang sattawat - Syndrome und ein Jahrhundert", der 2006 im Wettbewerb der Filmfestspiele Venedig gestartete Film. Zu sehen ist keinerlei Ärzte-Action oder erotisches Prickeln unterm weißen Kittel, sondern sehr zurückhaltende, unscheinbare Episoden aus zwei Zeitepochen.

Der 1970 geborene Regisseur, der auch als bildender Künstler arbeitet und 2001 in der Wiener Secession vertreten war, gewann mit seinem bisher letzten Film "Tropical Malady", dem ersten thailändischen Wettbewerbsbeitrag an der Croisette, 2004 den Jury-Preis in Cannes. Für seine neue Arbeit hat er sich von der Vorstellung inspirieren lassen, wie seine Eltern, Mediziner in einem Provinz-Spital, gelebt und gearbeitet haben, als sie einander kennenlernten. Was er erzählt, ist unspektakulär und reicht vom Behandlungsgespräch bis zur Plauderei unter Kollegen oder schüchternen Annäherungsversuchen. Interessant ist "Sang sattawat" eher durch seine Struktur.

Der Film beschreibt Beziehungen und gesellschaftliche Veränderungen, indem er Architektur zeigt, die Räume, in denen die Menschen arbeiten. Besonders auffällig wird dies durch einen Bruch in der Mitte des Films, als ansatzlos ein durch nichts erklärter Zeitsprung stattfindet. Bildete zuvor ein 70er-Jahre-Krankenhaus mit freundlicher, heller Atmosphäre den Schauplatz, so befinden wir uns plötzlich in der Gegenwart: grelles, verstörendes Licht, Technik-Dominanz, Unpersönliches dominiert selbst im Pausenraum.

Als wieder ein älterer Mönch von einer jungen Ärztin untersucht wird, scheint es zunächst, dass die gleichen Geschichten einfach in neuem Ambiente erzählt werden - doch unmerklich verschieben sich die Details, und vieles an zwischenmenschlichen Begegnungen findet gar nicht mehr statt. Eine nette, witzige Szene, in der ein junger Mönch das erste Mal von einem Zahnarzt behandelt wird und auf das Geständnis, er habe eigentlich DJ und Comic-Buchhändler werden wollen, beim ebenfalls jungen Arzt das Outing erntet, in Wahrheit lebe er fürs Singen (später fragt er: "Bist du vielleicht mein reinkarnierter Bruder?" und bekommt "Nein, ich war kein Mensch in meinem früheren Leben" zur Antwort), findet unter den neuen High-Tech-Bedingungen nicht mehr statt. Und auch die verstörend schüchternen Annäherungsversuche eines jungen Mannes gegenüber einer Ärztin, die ihrerseits einen Orchideen-Züchter liebt, gibt es nicht mehr.

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