Stillleben

A 2011
Bedrückende Stille

Bedrückende Stille

Der österreichische Jungregisseur Sebastian Meise feiert mit "Stillleben" sein Spielfilmdebüt. Ein Debüt, das das schwierige und bedrückende Thema Pädophilie behandelt.

"Stillleben" handelt von einer Familie, die in sich zusammenbricht, als der erwachsene Sohn Bernhard entdeckt, dass sein Vater pädophile Gedanken gegenüber seiner ebenfalls bereits erwachsenen Schwester bei Prostituierten auslebt. Der Gedanke, der Vater könnte die Schwester in der Vergangenheit sexuell missbraucht haben, treibt Bernard dazu, der ganzen Familie das schockierende Geheimnis des Vaters zu enthüllen, obwohl dieser sich niemals an der Tochter vergriffen hat.

"Machen Gedanken schon schuldig? Die Frage danach, wo die Schuld beginnt, ist beim Thema der Pädophilie nicht irrelevant", sagt Regisseur Sebastian Meise auf dem Festival von San Sebastian im Gespräch mit der APA. Jeder würde vermutlich sagen, dass ein pädophil veranlagter Mensch nicht in einem Kindergarten arbeiten dürfe. Das Risiko wäre zu hoch, auch wenn er noch so oft betonen würde, seine Neigungen unter Kontrolle halten zu können. "Doch wo zieht man die Grenze? Muss sich ein Pädophiler aus einer Gesellschaft, in der es ja auch viele Kinder gibt, gänzlich zurückziehen? Muss er sich einsperren lassen?" fragt sich der österreichische Filmemacher, der mit "Stillleben" die Wiener Filmakademie abschließt.

Da Pädophile wüssten, dass sie von uns in der Regel als tickende Zeitbombe angesehen werden, setzen sie alles daran, ihre Fantasien geheim zu halten und könnten damit vielleicht sogar zu einer noch größeren Gefahr werden, gibt Meise zu Bedenken. Vor allem bei dem Thema Pädophilie fand er faszinierend, wie der Grundsatz des freien Menschen beginnt, ins Wanken zu geraten. Der Vater werfe im Film hingegen die Frage auf, ob er überhaupt ein Vater sein darf, wenn er solche Gedanken hat? "Dabei stellt sich für die Familie und für den Vater nicht nur die Frage nach der möglichen Gefahr für das Kind, sondern auch nach der grundsätzlichen Fähigkeit des Vaters zu väterlicher Liebe", so Meise.

So wie das dunkle Geheimnis des Vaters die Familie schockt, war auch Regisseur Sebastian Meise "entsetzt darüber, wie wenig ich selber über das Thema wusste und nie eine Differenzierung zwischen Pädophilie als sexuelle Neigung und dem eigentlichen Missbrauch gemacht habe", verdeutlicht Meise die Motive, sein Filmdebüt ausgerechnet diesem Thema gewidmet zu haben.

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