Star Wars VII - Das Erwachen der Macht

Action/Abenteuer, USA 2015

Harrison Ford ist wieder als Han Solo zu sehen

Der Druck war groß: J.J. Abrams hatte die nicht geringe Aufgabe, die Science-Fiction-Reihe "Star Wars" einer erfolgreichen Wiederbelebung zuzuführen. Mit dem siebenten Teil - "Das Erwachen der Macht" - liefert der US-Regisseur dafür nicht nur nostalgisch verklärte Bilder, sondern beweist einmal mehr sein Händchen für intelligente Blockbuster.

Und es werden nicht wenige sein, die diesen Tag (beziehungsweise die Nacht zuvor für jene, die zur Mitternachtspremiere pilgern) sehnsüchtig herbeifiebern. So gut wie nichts Inhaltliches ist bis zuletzt durchgedrungen, bevor unter großen Sicherheitsvorkehrungen und noch größerem Pomp am Montag die Weltpremiere in Hollywood über die Bühne ging. Nur so viel wusste man: Knapp 30 Jahre nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" knallt es noch immer ordentlich in der Galaxie. Und mit Harrison Ford, Carrie Fisher sowie Mark Hamill hat Abrams die zentralen Darsteller der ursprünglichen Trilogie der von George Lucas erdachten Geschichte zum Mitmachen bewogen.

Wie es sich für einen "Star Wars"-Film gehört, beginnt "Das Erwachen der Macht" mit einem simplen Satz: "Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis." Und schon ertönt das so markante Thema von John Williams, bevor die Zuschauer auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Leia (Fisher) ist mittlerweile General im Widerstand, der nach der Zerstörung des zweiten Todessterns von der Republik unterstützt wird. Ihm gegenüber steht die "First Order" als Nachfolger des Imperiums mit Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) an der Spitze. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den letzten Jedi aufzuspüren und zu vernichten.

Damit ist natürlich Luke Skywalker (Hamill) gemeint: Wie schon in den bisherigen Trailern angedeutet, glänzt die Lichtgestalt der Rebellion zunächst aber durch Abwesenheit. Vielmehr ist es die Suche nach ihm, die alte und neue Charaktere zusammenführt. Etwa den Widerstandspiloten Poe Dameron (Oscar Isaac), der zu Beginn mit dem Droiden BB-8 auf die Spur von Skywalker kommt, sich dann aber unter Beschuss der First Order sieht. Oder die Plünderin Rey (Daisy Ridley), die auf dem an Tatooine mahnenden Wüstenplaneten Jakku ihr Dasein fristet. Ihre Wege kreuzen sich schließlich mit dem Stormtrooper Finn (John Boyega), der offenbar Besseres im Sinn hat, als unschuldige Dorfbewohner zu töten.

So kommt es schnell zu Konstellationen, die den geneigten Fan nicht von ungefähr an die Episoden IV und V denken lassen. Allen voran zeigt Abrams aber ein Gespür für die richtige Dosis Nostalgie, wenn er etwa eingangs einen Sternenzerstörer seinen Schatten über die Leinwand werfen lässt oder behutsam an bewährte "Star Wars"-Konzeptionen anknüpft. Da wäre etwa eine dem Droiden übergebene Karte zum verschollen geglaubten Jedi-Meister oder das sukzessive Herantasten der neuen Protagonisten an ihre eigentlichen Fähigkeiten - und Vergangenheit. Schließlich ist "Star Wars" zuerst einmal eine Familiengeschichte.

Spätestens wenn sich - um es mit Reys Worten auszudrücken - "ein Haufen Müll" als leicht ramponierter Millennium Falcon herausstellt und ihr gemeinsam mit Finn die Flucht vor der First Order ermöglicht, dann ist man mittendrin im neuesten Weltraumspektakel. Von da an ist es auch nicht mehr weit, bis mit Han Solo (Ford) und Chewbacca (Peter Mayhew) alte Helden hinzustoßen. Besonders Ford muss man zugutehalten, dass er auch mit 73 Jahren reichlich spitzbübischen Charme versprüht und deutlich macht, warum die Figur dieses Schmugglers mit großem Herzen nach wie vor so viel Anklang findet. Gemeinsam mit den bis dahin recht ahnungslosen Rey und Finn macht er sich auf den Weg zum Widerstand, um die zu Luke führende Karte in Sicherheit zu bringen.

Dicht auf ihren Fersen befindet sich stets Kylo Ren (Adam Driver). Er dürfte vielleicht der schwierigste Balanceakt für Abrams gewesen sein, nämlich einerseits einen ähnlich furchterregenden Antagonisten wie Darth Vader zu kreieren, ohne dabei aber nur einen billigen Abklatsch zu liefern. Mit Ren ist ihm diese Gratwanderung eindrucksvoll geglückt, wobei Driver diesem Bösewicht bei weitem mehr leiht als nur eine grauenvoll verzerrte Stimme. Wirklich hervorstreichen muss man allerdings die Leistung von Ridley, die als weibliche Hauptfigur einiges zu tun bekommt. Die junge englische Schauspielerin gibt Verzweiflung und Wut ebenso ein glaubhaftes Gesicht wie Loyalität und Courage, während Boyega und Isaac eine feine Prise Fanboytum einstreuen können. Wer würde sich schließlich nicht darüber freuen, einmal einen Tie Fighter zu fliegen?

Das überzeugende Script von Lawrence Kasdan, Michael Arndt und Abrams, der wie immer breit angelehnte Soundtrack von Williams, die darstellerischen Leistungen des gesamten Cast: Mit "Das Erwachen der Macht" hat Disney eigentlich eine Punktlandung hingelegt. Nachdem die Markenrechte 2012 von Lucas übernommen wurden, gab es die durchaus berechtigte Frage, in welche Richtung sich die Saga entwickeln wird. Nun weiß man: Der Mythos erfährt eine gelungene Fortsetzung - auch wenn der Marketingbombast wirklich überzogene Ausmaße angenommen hat. Für Nachschub ist in beiden Fällen gesorgt, schließlich war das nur der Aufakt zum Erwachen der Macht.

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