Spiele Leben

Drama/Thriller, A/CH 2005
Kurt und Tanja geben sich verrückter Liebe hin

Kurt und Tanja geben sich verrückter Liebe hin

Für Kurt ist die Welt ein Spielfeld und das Leben ein Spiel. Seine Würfelsucht führt ihn in die Arme der drogensüchtigen Tanja, zu zweit überlassen sie sich voll und ganz dem Zufall. Georg Friedrich und Birgit Minichmayr geben sich in Antonin Svobodas Spielfilmdebüt "Spiele Leben" einer verrückten Liebe hin und beweisen, wozu der österreichische Film fähig sein kann.

Kurt ist ein Spieler, sein Leben verbringt er am liebsten am Poker- oder Roulettetisch. Der blonde, schlaksige Kerl ist Stammgast in den Casinos in und rund um Wien, doch vom Glück ist er nicht verfolgt. Obwohl er versucht, einem geregelten Leben nachzugehen und seine Freundin Manu (Gerti Drassl) nicht zu enttäuschen, ist er nur peripher gewillt, sich den klassischen Vorschriften einer kapitalistischen Welt zu beugen. Aber weder die sechs vom Arbeitsamt in Aussicht gestellten Jobs noch die neue Wohnung, die er mit Manu besichtigt, können ihn von seiner Manie und seinem eingeschlagenen Lebensweg abbringen.

Aber wie soll der angehäufte Schuldenberg getilgt werden? Weder Manu noch sein überaus gläubiger Vater wollen Kurt noch Geld geben, seine Lügen und Betrügereien führen zu moralischen Zurückweisungen und Spannungen. Auch ein neuerlicher Casinobesuch mit einer Zufallsbekanntschaft geht nach einer anfänglichen Glückssträhne in die Hose. Kurt sieht bald keinen Ausweg mehr, fühlt sich für einen kurzen, aber scheinbar ewigen Moment hilf- und schwerelos - und erhebt von nun an einen Würfel zu seinem Gott, der über sein künftiges Leben entscheiden soll.

Im Zuge seines erwürfelten Jobs als Geldeintreiber der Fernwärme Wien lernt er Tanja kennen, und dieser scheint Kurts Spiel zu gefallen. Aus der Gambler-Geschichte wird ein Liebesfilm, Kurt und Tanja genießen ihre Würfelbeziehung und machen sich auf eine rastlose Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Der Ausbruch aus dem Korsett der gesellschaftlichen Zwänge wird zu einer Tour de Force durch ausländische Casinos, Hotelzimmer und ihre eigenen Bedürfnisse und Leidenschaften. Bis dann an einer Tankstelle der Würfel wieder einmal sechs mögliche Handlungsentscheidungen vorgibt...

"Spiele Leben" ist ein seltener Glücksfall: ein amüsanter Film ohne billige Kalauer, ein Sozialdrama ohne tränendrückende Sentimentalität, einmal hart, wild und schnell, dann wieder nachdenklich, verspielt, berührend. Antonin Svoboda, der bisher nur als Kurzfilmemacher und Produzent bei coop99 auffiel, zeigt ein Draufgänger-Leben in schillernden Facetten - ein rasantes Debüt, das den Zuschauer auf eine Reise mitnimmt und das trotz all der intensiven Nähe gebührende Distanz zu seinen Hauptfiguren wahrt.

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