Spider-Man: Homecoming

Action/Abenteuer, USA 2017

Neue Abenteuer mit Peter Parker a.k.a. Spider-Man

Tobey Maguire hat es getan, Andrew Garfield auch, und nun ist Tom Holland an der Reihe: Der britische Jungschauspieler schlüpft ins Spinnenkostüm und mimt im neuesten Kinoabenteuer aus dem Hause Marvel "Spider-Man". Der erste Solofilm mit dem 21-Jährigen ist passenderweise "Homecoming" untertitelt, fühlt sich die temporeiche Umsetzung doch wirklich wie ein Nachhausekommen an.

Wenn wir die aus der US-Fernsehserie zusammengeschnittenen Langfilme für den europäischen Markt mitzählen (liefen Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre bei uns im Kino), dann haben wir die Verwandlung des Highschool-Teenagers Peter Parker in den Superhelden Spider-Man schon dreimal in allen Facetten gesehen: Biss der verstrahlten Spinne, langsames Entdecken der neuen Kräfte, der Tod von Onkel Ben, die ersten Versuche der Kriminalitätsbekämpfung, der Job als Fotograf beim Krawallblatt Daily Bugle, schließlich die ersten Supergegner - egal, ob einst Nicholas Hammond, später Tobey Maguire und zuletzt zweimal Andrew Garfield, die Geschichte war immer dieselbe und variierte nur durch den Stand der filmischen Tricktechnik.

Und jetzt soll das Ganze mit Spider-Man: Homecoming schon wieder von vorn anfangen? Mitnichten! Denn erstmals seit fast 40 Jahren lösen sich die Kreativen des Marvel Comicfilm Universums von den Traditionen des beliebtesten aller Superhelden, um dennoch zu seinem Kern zurückzukehren: Wie geht es einem 15-jährigen Buben aus kleinen Verhältnissen, aber mit großem Verstand, wenn ihm das Schicksal Superkräfte auf Avenger-Augenhöhe schenkt? Und darum setzt Spider-Man: Homecoming ohne Vorgeschichte, ohne langatmige Erklärungen ein paar Stunden vor der großen Berliner Flughafen-Prügelei aus Captain America: Civil War an, wo er, geleitet von Iron Man Tony Stark (Robert Downey Jr.) seine große Talentprobe ablegt. Und so geht's im neuen Film weiter.

Nachdem Mentor Stark den jungen Peter Parker (Tom Holland) wieder daheim in Brooklyn abgeliefert hat mit dem Hinweis, die Avengers würden sich bei ihm melden, wenn er gebraucht wird, hängt der junge Held völlig in der Luft. Die Schule interessiert ihn nur noch insofern, als es vage Chancen gibt, das Interesse der superheißen Liz (Laura Harrier) im Rahmen einer Wissens-Schulmeisterschaft zu gewinnen und mit ihr zum Homecoming-Schulball zu gehen. Außerdem hat sein kindisch-nerdiger Kumpel Ned (Jacob Batalon) zufällig Peters Superhelden-Geheimnis entdeckt und ist nur mit Mühe davon abzubringen, sein Glück mit der ganzen Welt zu teilen.

Auch seine Kräfte hat Peter noch nicht wirklich im Griff. Aus lauter Langeweile und platzend vor Ehrgeiz, die Welt zu retten, versucht sich Spider-Man erst einmal mit der lokalen Verbrechensbekämpfung -und schießt bei der Jagd nach vermeintlichen Fahrrad-oder Autodieben natürlich so manchen Bock. Doch dann gerät er an eine Bande, die Bankomaten im Foyer eines Kreditinstituts knacken will, und zwar mit seltsamen Hightech-Alienwaffen. Die bastelt ein gewisser Adrian Toomes (Michael Keaton) mit seinen Leuten in einem geheimen Versteck aus außerirdischem Schrott, der seit den letzten gigantischen Kämpfen der Avengers überall auf der Erde verstreut liegt und eigentlich von einer strengen Regierungs-Organisation eingesammelt und sicher verwahrt werden sollte.

Einst war Toomes ein braver Bauunternehmer, der aber von dieser Agentur brutal aus dem Geschäft geworfen wurde. Um seiner Familie weiterhin einen Mittelklasse-Lebensstil bieten zu können, wurde er zum geflügelten Schurken Vulture (Geier). Die neu geschaffenen Waffen vertickt er an die Unterwelt New Yorks. Strikt gegen die Anordnung von Iron Man nimmt der immer noch ungeschickte Spider-Man mit neuem Hightech-Anzug den Kampf gegen Vultures Bande auf - und richtet dabei mehr Schaden als Nutzen an. Allein und auf sich gestellt gibt er aber nicht auf, selbst als er merken muss, wie nahe ihm dieser Schurke eigentlich ist ...

Vielleicht ist es übertrieben, vom besten Spider-Man-Film aller Zeiten zu sprechen wie viele US-Kritiker (da gibt es immer noch den großartigen Spider-Man 2 von Sam Raimi), aber definitiv ist dieses Abenteuer ganz nah dran. Jung, frisch, völlig anders und endlich geht es mal nicht darum, die Welt zu retten, sondern die Nachbarschaft sicher zu halten, wenngleich in riesigem Maßstab. Action und feiner Humor halten sich perfekt die Waage, die Hightech-Spielereien sind vom Feinsten, und Tom Holland (siehe Interview unten) als Teenager-Superheld findet genau den richtigen Ton zwischen Ambitionen haben, verloren sein und Herantasten an ein übermenschlich großes Ziel, das Rückschläge bringen muss.

Dazu die Altspatzen Robert Downey Jr., der als erzieherischer Iron Man plötzlich so klingt wie sein Vater Howard Stark, und Michael Keaton, der einen vielschichtigen Schurken mit nachvollziehbaren Motiven gibt. Auch wenn die Fallhöhe diesmal niedriger ist als beim üblichen Weltretten, ist die Action atemberaubend.

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