Spanien

Drama, A/BG 2012
Er wollte nach Spanien und landet in Österreich

Er wollte nach Spanien und landet in Österreich

In ihrem Spielfilmdebüt "Spanien" hat die österreichische Regisseurin Anja Salomonowitz eine Dreiecksgeschichte mit realpolitischer Sprengkraft geschaffen. Ein nächtlicher Unfall auf einer Landstraße verändert das Leben eines moldawischen Flüchtlings, einer zurückgezogenen Ikonenmalerin und eines cholerischen Fremdenpolizisten grundlegend.

Ersterer war mit der Hilfe eines Schleppers auf dem Weg nach Spanien, bleibt jedoch in Österreich hängen und lernt ausgerechnet jene Frau zärtlich kennen und lieben, deren Ex-Mann die Trennung nicht verkraftet hat und schon von Berufs wegen ein angespanntes Verhältnis zu Fremden pflegt. Salomonowitz verglich die Grundkonstellation im APA-Gespräch mit einem Western. "Der Held kommt zufällig in eine Stadt, fickt die Frau des Sheriffs, fängt sich mit diesem Ärger an, rächt sich an den Menschen, die ihm Unrecht angetan haben, und verlässt die Stadt dann wieder." Für die Western-Theorie spricht auch die Grundfarbe Braun, die sich in unterschiedlichsten Ausprägungen durch den gesamten Film zieht: die Landschaft ist herbstlich, Mantel und Jacken sind bräunlich koloriert, die Autos schimmern zumeist in Bronze, die Ikonen werden golden verziert und gezahlt wird natürlich nie mit 20- oder 100-Euro-Scheinen, sondern nur mit 50ern. "Sogar die Musik hat diesen Farbton", sagte Salomonowitz, "so ein bisschen schokobraun."

Die Musik stammt von Max Richter, der schon für den Score von "Waltz with Bashir" verantwortlich zeichnete, und unterstreicht den artifiziellen Look. Doch trotz dieser scheinbaren Künstlichkeit bleibt "Spanien" stets in der Realität verankert und in Wien verortet, mit einem verzweifelt-brutalen Polizisten als Antagonisten und einem spielsüchtigen Kranfahrer, der die Schicksale aller Beteiligten auf ungewöhnliche Weise miteinander verknüpft. In den Hauptrollen agieren für das österreichische Kino vergleichsweise unbekannte Gesichter, etwa Cornelius Obonya und Lukas Miko oder Tatjana Alexander. Mit dem Franzosen Gregoire Colin, einer sehr präsenten Figur, konnte zudem ein Darsteller aus dem engeren Umfeld von Claire Denis gewonnen werden.

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