Sommer in Wien

Dokumentation, A 2015

Porträt von Menschen mit ungewöhnlichen Lebensentwürfen

Die Sonne knallt auf den Beton, die Luft steht vor Hitze. An einer Straßenecke im 15. Bezirk hat der Klavierbauer Bernhard das Esszimmer auf den Gehsteig verlegt. Der österreichische Regisseur Walter Größbauer hat in dem Dokumentarfilm "Sommer in Wien" sechs Menschen mit ungewöhnlichen Lebensentwürfen porträtiert. Den Rahmen bildet ein Sommer in seiner Heimatstadt.

"Die Hurenviecher scheißen mir den ganzen Balkon zu" - mit diesem empörten Ausruf über die Tauben am Dach beginnt der Film. Aber nur einer der Protagonisten, die Größbauer einen Sommer lang begleitet hat, entspricht dem Bild des grantelnden Wieners. In der Klavierwerkstatt von Bernhard Balas wird geschliffen und gehobelt. Der leidenschaftliche Fischer repariert alte Instrumente und kocht in der kleinen Küche nebenan täglich das Mittagessen für seine Mitarbeiter. "Ich habe es in 20 Jahren nicht geschafft, einen großen Profit zu machen aus dem Ganzen. Auch keinen kleinen Profit", sagt Bernhard. Dafür versammeln sich in seiner Werkstatt ganz unterschiedliche Menschen mit einer Leidenschaft für Musik, gutes Essen und viel Wertschätzung füreinander und das Leben.

Das Leben und die Arbeit in der Klavierwerkstatt ziehen sich durch den Film. Sie ist Ausgangs- und Treffpunkt für die Protagonisten. Christine, die ein halbes Jahr zuvor noch Christian hieß, organisiert mit Andrea ein Begegnungsfest in ihrem Schrebergarten, das zu scheitern droht, als Andreas Handy überfahren wird und das Klo im Garten neu ausgehoben werden muss. Der Restaurator Max sammelt Sonnenschirme und näht in seiner Freizeit historische Kleider. John hat gerade seinen ersten Roman veröffentlicht, krempelt sein Leben um und ist auf der Suche nach einer Beziehung.

Größbauer, der mit Produzentin Claudia Pöchlauer schon die Dokumentarfilme "Next Exit Nirvana" über das indische Pilgerfest Kumbh Mela und zuletzt "Road to Heaven" drehte, lernte Bernhard Balas bei einem Konzert in seiner Werkstatt kennen. Dessen Lebens-und Arbeitswelt mit seiner Leidenschaft für den Beruf und dem wertschätzenden Umgang mit seinen Mitarbeitern ist für ihn "tauglich als Schablone für eine bessere Welt".

Unterbrochen werden die Erlebnisse der Protagonisten von Einstellungen, die das sommerliche Wien zeigen: das Gedränge im Schwimmbad, Public Viewing in der Strandbar und Sonnenanbeter im Park. Dazu singt der Musiker Der Machatschek auf wienerisch Lieder über die Stadt: "Die Stadt schwimmt im Schwitz, die Haut pickt am Sitz, die Sonn' legt sich nieder zum Sterben." Ein bisschen Sommer kann man sich mit der 100-minütigen Doku jedenfalls zurückholen.

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