Somewhere

Drama, USA 2010
Seine Tochter rüttelt ihn wach

Seine Tochter rüttelt ihn wach

Nie wird man "das wahre Leben" so sehen wie bei Sofia Coppola. Selbst ein Kind Hollywoods, stellt die US-Regisseurin in ihrem neuen Spielfilm "Somewhere" die existenzielle Leere im Leben eines Filmstars kühler und abgeklärter dar als jede Paparazzi-Aufnahme. Der Jury des Filmfestivals in Venedig war diese leise Satire, die in Österreich ab 12. November zu sehen ist, den Goldenen Löwen wert.

"Somewhere" ist ein Beispiel dafür, wie man einer toterzählten Geschichte noch eine Nuance abgewinnen kann, in diesem Fall der vom gefeierten, aber privat gescheiterten Star. Johnny Marco (Stephen Dorff) wohnt im legendären Promi-Hotel Chateau Marmont in Los Angeles, fährt Ferrari und sein Jetset-Leben besteht neben PR- und Drehterminen vor allem aus Alkohol, Partys und Sexaffären.

Aber Johnny wirkt abgekämpft. Das Gesicht ist zerknittert, bei einem Saufgelage bricht er sich den Arm und er bekommt anonyme Droh-SMS. Als sich seine Ex-Frau eine Auszeit nimmt und ihm die gemeinsame Tochter Cleo (Elle Fanning) überlässt, kommt ein neuer Ton in die Story. Denn die frühreife Elfjährige wirkt im Gegensatz zu ihrem Vater erwachsen und hat Pläne für ihre Zukunft. Gemeinsam verbringen die beiden einige Wochen - Italienreise inklusive.

Trumpf von "Somewhere" ist die Darstellung der Leere und Verlorenheit in einer - erstklassig fotografierten - Luxuswelt. Ob Coppola ihren Anti-Held mit einem Ferrari sinnlos auf einer Rennpiste kreisen, oder für ihn zwei Stripperinnen mehr unschuldig als erotisch in seinem Hotelzimmer an Stangen tanzen lässt. Stets bleibt der Blick lakonisch und popkulturell abgeklärt - die Stimmung cool bis kühl. "Ich bin ein verdammtes Nichts", sagt Johnny in einem Moment des Selbstzweifels, der im deutlichen Widerspruch zu seiner Wahrnehmung durch andere - vor allem Frauen - steht. Für sie zählt nur das Star-Image, dass dahinter ein Niemand steckt, ist ihnen egal.

Identifikationsfigur ist eindeutig Cleo, die von Elle Fanning - der jüngeren Schwester von Dakota Fanning - mit starker Präsenz ausgestattet wird. Möglicherweise ist sie ein Alter Ego der Filmemacherin, die auch das Drehbuch verfasste und selbst als Tochter von Francis Ford Coppola einen Teil ihrer Kindheit in Hotels verbrachte. Cleo muss sich nur in der Küche des Hotelzimmers eine kleine Mahlzeit zubereiten und die Welt steht still - aller Rummel rundherum wirkt aufgesetzt. In solchen Momenten geht Sofia Coppolas Rezept eines leisen Films über ein lautes Business auf und die Geduld über manche Längen hinweg hat sich gelohnt.

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