SMS für Dich

Komödie/Drama, D 2016

Karoline Herfurth führte Regie und übernahm die Hauptrolle

Längst gehört es für deutsche Kino-Stars zum guten Ton, sich irgendwann auch im Regie-Fach zu versuchen. Til Schweiger ("Keinohrhasen") ist das Paradebeispiel, andere Schauspieler wie Florian David Fitz oder Matthias Schweighöfer folgten. Zu diesem Kreis gesellt sich nun die aus Filmen wie "Der Vorleser" oder "Fack Ju Göhte" bekannte Karoline Herfurth mit "SMS für Dich".

Dabei hat die 32-jährige Regisseurin den gleichnamigen Roman der Schriftstellerin Sofie Cramer adaptiert. Auch die Hauptrolle der verzweifelt um ihren toten Freund trauernden Clara hat Herfurth übernommen. Flankiert wird sie im Film von Mimen wie Friedrich Mücke, Frederick Lau und Nora Tschirner.

Zwei Jahre ist der fürchterliche Unfall her, bei dem Clara ihren geliebten Ben ob der Rücksichtslosigkeit eines betrunkenen Autofahrers verloren hat. Ihr Kummer aber, der will nicht weichen. In ihrer Verzweiflung schickt die Zeichnerin, die einst mit Kinderbüchern über eine "lebensfrohe Raupe" reüssierte, ständig SMS an den toten Freund. Nicht ahnend, dass dessen Handynummer kürzlich neu vergeben wurde: Claras Kurznachrichten, diese besondere Form der Trauerarbeit, landen auf dem Smartphone von Mark (Mücke), einem so gut aussehenden wie ehrgeizigen Sportjournalisten. Und der macht sich nun mit Kollege und Freund David (Lau) daran, das Geheimnis der rätselhaften Nachrichten zu entschlüsseln.

Claras beste Freundin wiederum, die mit einem ur-berlinerischen Plappermaul ausgestattete Katja (Tschirner), versucht alles Mögliche, um Clara auf andere Gedanken zu bringen. Dass sich Marks und Claras Wege schon bald kreuzen, kann da noch niemand ahnen. Manches in diesem Film erinnert an die oftmals formelhafte, von den Bildern und der Geschichte her eher ins Fernsehen passende, typische Komödie deutscher Provenienz. "SMS für Dich" aber kann auch anders, es gibt hier wunderbar fotografierte Berlin-Impressionen, die auf eine Kinoleinwand gehören.

Momentweise fühlt man sich gar in ein Hollywood vergangener Tage versetzt, etwa wenn Mark und Clara sich bei einem sonnendurchstrahlten, sehr hübsch anzuschauenden Herbstspaziergang im Berliner Zoo näher kommen. Auch das erste richtige Aufeinandertreffen der beiden bei einer Opernaufführung kommt stilvoll daher. Die hie und da altmodische Anmutung des Films erreicht ihren Höhepunkt, wenn im Hintergrund Dean Martin singt. Auch nimmt sich Herfurths Debüt mehr Zeit als die handelsübliche Komödie, der Film hat über 100 Minuten, was der Figurenentwicklung nur gut tut.

Ein gutes Händchen bewiesen hat Regie-Neuling Herfurth in jedem Fall bei der Auswahl ihrer Mit-Darsteller. Friedrich Mücke ist ziemlich stark als zwar cooler und scheinbar abgebrühter, schlussendlich aber doch der Romantik nicht ganz abholder Journalist. Frederick Lau ist betörend und einnehmend wie immer; spätestens seit seiner famosen Performance im Berlinale-Überraschungshit "Victoria" muss man den Berliner ohnehin zu den stärksten deutschen Schauspiel-Gesichtern zählen. Lau weiß hier zudem mit Nora Tschirner ein kongeniales weibliches Pendant an seiner Seite: Mit ihren Berliner Schnodderschnauzen jedenfalls erden die beiden Darsteller den bisweilen etwas zu glatt geratenen Film.

Katja Riemann ist toll als völlig abgedrehte Schlagersängerin Henriette Boot. Dass sich die Aktrice offensichtlich wohlfühlt in schrägen und kuriosen Rollen, hat sie zuletzt mit Auftritten in Filmen wie "Fack Ju Göhte" und "Mängelexemplar" unterstrichen. Auch Herfurth selbst schließlich vermag zu überzeugen, dem Charme ihrer Clara ist nur schwer zu widerstehen.

Karoline Herfurth legt mit "SMS für Dich" ein alles in allem überzeugendes Regie-Debüt vor. Ob ihr ein ähnlicher Erfolg vergönnt sein wird, wie den an der Kinokasse so immens beliebten Schweiger-Filmen, bleibt zwar abzuwarten. Das wunderbare Darsteller-Ensemble aber, die wirklich berührende und nur teils zu kitschig geratene Geschichte, die zwar poppige, aber doch meist angemessene musikalische Flankierung werden diesem, unbedingt auf großer Leinwand zu goutierenden Film sicher ein größeres Publikum zuführen. Und das, obwohl der Titel "SMS für Dich" etwas unoriginell - immerhin gab es schon mal ein "e-m@il für Dich" mit Tom Hanks und Meg Ryan - und in Zeiten von Nachrichtendiensten wie WhatsApp fast antiquiert daherkommt. Von derlei Kleinigkeiten freilich werden sich all die verliebten Pärchen, an die sich dieser hoch romantische Film ganz offensichtlich vor allem richtet, kaum vom Kinobesuch abhalten lassen.

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