Slumdog Millionär

Krimi/Drama, GB 2008
Der Film hat acht Oscars abgeräumt

Der Film hat acht Oscars abgeräumt

Mit Hilfe eines britischen Regisseurs hat es Bollywood nun auch nach Hollywood geschafft: "Slumdog Millionär", die in der indischen Millionenmetropole Mumbai (Bombay) spielende Romanverfilmung von Danny Boyle ("Trainspotting", "The Beach") war nach zahllosen internationalen Filmpreisen mit acht Academy Awards auch der große Gewinner der Oscar-Verleihung, unter als Bester Film.

"Slumdog Millionär", für das der Drehbuchautor Simon Beaufoy den Roman "Q & A" ("Rupien, Rupien" in der deutschen Übersetzung) des indischen Diplomaten Vikas Swarup umgearbeitet hat, bedient sich sowohl bei der kitschig-rührseligen Bollywood-Dramaturgie als auch bei den klassischen Sozialromanen der britischen Literatur von Charles Dickens bis Henry Fielding. Für Boyle ist der aus den Slums stammende junge Waisenjunge Jamal Malik, der es bei der populären indischen TV-Show "Wer wird Millionär?" wundersamer Weise schafft, alle Fragen zu beantworten, "ein moderner Oliver Twist".

Drehbuchautor Beaufoy hat einen wesentlichen Anteil daran, dass "Slumdog Millionär" nicht einfach eine weitere Variante der alten Aufsteiger-Geschichte "Vom Tellerwäscher zum Millionär" ist: Die außerordentliche Dramaturgie führt vom wenig zimperlichen Polizeiverhör, bei dem der vermeintlichen Wettbetrüger überführt werden soll, zum Verlauf der Show und von jeder einzelnen Frage in Rückblenden zurück in ein Kapitel im Leben Jamals. Denn der ist nicht ein allwissendes Genie, sondern kann jede richtige Antwort mit einer dafür verantwortlichen Episode seines Lebens belegen.

Die zwölf Kurzgeschichten des Buches bekamen so den passenden Rahmen, gleichzeitig bot dies eine Möglichkeit, elegant die Genres zu wechseln. "Ich konnte nach allen Richtungen feuern", freute sich Beaufoy, "Es gibt eine Romanze, es gibt die Komödie, es gibt einen Gangsterfilm: Es war wunderbar, einmal nicht an ein einziges Genre gebunden zu sein." Dass dennoch die Spannung erhalten bleibt, dafür sorgt der Umstand, dass die finale 20-Millionen-Rupien-Frage erst am nächsten Tag wartet, und Jamal für sie direkt von der Polizeistation ins TV-Studio gebracht wird.

Auch wenn der zweistündige Film in seiner letzten Viertelstunde beim Versuch, die Kurve Richtung Love Story und Happy End zu nehmen, gefährlich an den Rand des Kitschs gerät, haben die Rasanz der Geschichte und die Wucht der Bilder lange Nachwirkung. Wer beim Nachspann ganz zerschlagen im Kino sitzenbleibt, wird belohnt - mit einem fröhlichen, beschwingten Tanz des gesamten Ensembles in der Abfahrts-Halle des Hauptbahnhofes von Mumbai.

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