Sieben Mulden und eine Leiche

Dokumentation, CH 2007
Vom Messie-Dasein der Mutter wusste niemand

Vom Messie-Dasein der Mutter wusste niemand

Als Thomas Haemmerli und sein Bruder nach dem Tod der Mutter deren Wohnung betreten, machen sie eine bedrückende Entdeckung: Müllberge, Dreck und übler Gestank schwappen ihnen entgegen. Haemmerlis Mutter litt an dem "Messie-Syndrom" und hörte irgendwann auf, aufzuräumen. Um das Ganze zu verarbeiten, entschied sich der Schweizer, das Entrümpeln der Wohnung in einen Dokumentarfilm zu verpacken.

Offen und ohne Melancholie, sondern auf unterhaltsame Weise sieht man die beiden Brüder bei der Arbeit und erkennt nach und nach die Familiengeschichte. Ausgerechnet am 40. Geburtstag erfährt Thomas Haemmerli, dass seine Mutter gestorben ist. Der zweite Schock ist die Hinterlassenschaft. "Mein Bruder und ich hatten geahnt, dass die Wohnung eher chaotisch wäre, was wir aber antrafen, überstieg unsere schlimmsten Befürchtungen. Wie die meisten Messies setzte unsere Mutter Himmel und Hölle in Bewegung, um nie jemanden in ihre vier Wände zu lassen", sagt der Regisseur. In dem Film gibt es zwei Handlungsstränge, zum einen sieht man die Aufräumarbeiten, zum anderen wird der Zuseher Zeuge der Familiengeschichte. In der Wohnung stoßen die Haemmerlis auf Fotos, auf Filmmaterial aus den 30ern und 40ern, und alles, was ihre Mutter ab den 60ern gedreht hatte. Einmal ist Kofi Annan auf der Hochzeitsfeier von Haemmerlis Eltern zu sehen.

"Das ungewöhnliche Material war der Ausgangspunkt für den Film: gegen siebzig Jahre Familiengeschichte", so Haemmerli in den Presseunterlagen zum Film. Der Schweizer Journalist dreht genau dort weiter, wo man normalerweise die Augen verschließt und wegsieht. Die Haltung der Mutter gegenüber erscheint gnadenlos. Schonungslos wird die Realität gezeigt. Zwischendurch ist der Film immer wieder satirisch-komisch. Ein Punkt, für den der Filmemacher auch kritisiert wird. Fest steht, Haemmerli zwingt sein Publikum zum Hinsehen und spricht ein Syndrom an, das andere lieber unter Verschluss halten. Er hat sich entschieden, das auf unterhaltsame Weise zu machen und geht mit seiner Familie hart ins Gericht. Man möchte nicht die Mutter gewesen sein.

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