Siddhartha

USA 1972
Siddhartha kehrt auf die Leinwand zurück

Siddhartha kehrt auf die Leinwand zurück

Kultfilm frei nach einem Kultroman: 40 Jahre nach seiner Entstehung kommt der amerikanische Film "Siddhartha" nach dem Buch von Hermann Hesse am kommenden Donnerstag (9.8.) wieder in die österreichischen Kinos. Genau der richtige Stoff im Hesse-Jahr.

Viele von Hermann Hesses Büchern waren Bestseller - Filmemacher haben sich jedoch selten an die Stoffe herangewagt. Das Deutsche Literaturarchiv Marbach kennt nur vier Verfilmungen seiner Werke: Zwei amerikanische Adaptationen der Romane "Steppenwolf" und "Siddhartha", einen Fernsehfilm nach der Erzählung "Kinderseele" sowie die aktuelle deutsche TV-Produktion "Die Heimkehr" ebenfalls nach einer Erzählung des berühmten deutschen Dichters.

"Siddhartha" entstand 1972 unter der Regie von Conrad Rooks. Erst 1997 kam er in die deutschen Kinos und wurde seitdem nicht mehr gezeigt. Das legendäre Werk gilt unter Cineasten als Klassiker.

Gedreht wurde in Nordindien. Rooks engagierte indische Darsteller und redete sich für eine Drehgenehmigung den Mund fusselig: Die indische Regierung war nicht begeistert von der Idee, nachdem Jahre zuvor ein Dokumentarfilm von Louis Malle ihren Unmut erregt hatte. Seine Motive fand Rooks an Orten, die vorher kein anderer amerikanischer Filmemacher gesehen hatte: Unter anderem auf Ländereien, in Tempeln und klosterartigen Gebäuden im Privatbesitz des Maharadschas von Bharatpur.

"Siddhartha" mit Shashi Kapoor, Simi Garewal, Pincho Kapoor, Romesh Sharma und Zul Vellani basiert auf dem gleichnamigen, bis heute meistverkauften Werk des Literaturnobelpreisträgers Hesse. Erzählt wird die Geschichte des Brahmanensohns Siddhartha, der sich begleitet von seinem Freund Govinda auf die Suche nach Erkenntnis und Erleuchtung begibt.

Ihre Weg trennen sich bald. Siddhartha durchlebt und durchleidet Liebe, Wohlstand und Lebensüberdruß. Konfrontiert mit dem Zerrbild seiner selbst im Wasser eines Flusses macht er sich erneut auf den Weg. Govinda und er finden sich wieder, als die beiden, altgeworden und gezeichnet von Entbehrung, endlich in Frieden mit sich selbst auf einer Fähre den Fluss der Erkenntnis überqueren. "Nichts bleibt wie es ist. Alles ändert sich. Und alles kehrt wieder", sagt Siddhartha. Als die beiden Freunde kein Ziel mehr haben, sind sie frei.

Der Film lebt von fantastischen Naturaufnahmen, von in wildes, glühendes Licht getauchten, wie gemalt wirkenden Bildern des oscargekrönten Kameramannes Sven Nykvist. So gemächlich wie unvermittelt reiht Rooks Szene an Szene und nimmt sich in 89 Minuten gleichsam alle Zeit der Welt. Die langsamen Schnitte und die uneilige, pathetische Handlung laufen heutigen Sehgewohnheiten zuwider, vermitteln aber heute wie damals die rührende, schwermütige Ernsthaftigkeit, die auch der Romanvorlage zugrundeliegt.

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