Sicko

Dokumentation/ , USA 2007
Michael Moore als 'Rächer der Versehrten'

Michael Moore als 'Rächer der Versehrten'

Er hat gegen den Waffenwahn seiner Landsleute gewütet ("Bowling for Columbine") und gegen die Lügen der Bush-Regierung ("Fahrenheit 9/11") gekämpft. Nun holt Michael Moore zu einem neuen Schlag aus. Der erfolgreichste Dokumentarfilmer aller Zeiten setzt in "Sicko" das Skalpell an das Gesundheitssystem der USA.

"Sicko" (nach dem englischen Wort sick/krank) hat jedoch für europäische Augen nicht die thematische Brisanz der vorigen Filme, die dem Politaktivisten unter anderem einen Oscar und die Goldene Palme des Festivals von Cannes eingebracht haben. Die Tatsache, dass viele Amerikaner nicht krankenversichert sind und die medizinische Versorgung nur unter kommerziellen Aspekten betrieben wird, erzeugt hierzulande kaum persönliche Betroffenheit, geschweige denn Wut. "Sicko" funktioniert in Ländern mit einem besser funktionierenden Gesundheitssystem eher anders herum: Der Zuschauer freut sich darüber, dass er trotz Praxisgebühr und Arzneimittelkosten überhaupt noch so gut und günstig versorgt wird.

Das US-System sei "unmoralisch" und "barbarisch", findet der 53 Jahre alte Moore in seiner Rolle als "Rächer der Versehrten". Und so lässt er hilflose Patienten über absurde Klauseln der Versicherungen berichten und schildert den privaten Bankrott eines Ehepaares, das die Arztkosten nach Herzinfarkt und Krebserkrankung nicht bezahlen konnte.

Den größten Treffer landet er mit schwerkranken Helfern nach den Terroranschlägen in New York. Weil sie sich als Freiwillige an den Bergungsarbeiten in den Trümmern beteiligt hatten, kommt niemand für die Kosten der durch giftige Dämpfe und Staub verursachten Krankheiten auf. Unterstützung holt sich Moore in Kanada, Frankreich und Großbritannien. Mit fassungslosem Staunen erfährt er, dass dort - angeblich - jeder kostenlos und gut behandelt wird.

Dramaturgischer Höhepunkt von "Sicko" ist eine Reise nach Kuba. Moore versucht, per Schiff das amerikanische Gefangenenlager Guantanamo Bay auf der Karibikinsel zu erreichen, an Bord eine Gruppe von 9/11-Patienten. Sie sollen sich in dem Lager behandeln lassen, weil die medizinische Versorgung der - womöglich gefolterten - Terrorverdächtigen in Guantanamo besser sei als die der Rettungshelfer in den USA.

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