Sharayet - Eine Liebe in Teheran

Drama, F/USA/IR 2011
Eine verbotene Liebe

Eine verbotene Liebe

Die Familie als heile Insel in einem repressiven Regime erweist sich als Illusion: In Maryam Keshavarz' Spielfilmdebüt "Sharayet - Eine Liebe im Teheran" sieht sich eine westlich orientierte Mittelstandsfamilie mit der Realität ihres Landes konfrontiert, als sich der Sohn islamisch radikalisiert und die Tochter sich in eine Frau verliebt. Ab 25. Mai im Wiener Top-Kino.

Die Blase, sich als liberales Bürgertum mit Geld und Assimilation gewisse Freiheiten zu sichern, platzt. Nach außen hin passt sich die Schülerin Atafeh (Nikohl Boosheri) an die strengen Vorschriften des iranischen Alltags an. Heimlich experimentieren sie und ihre Freundin Shirin (Sarah Kazemy) jedoch auf Geheimpartys mit Sex, Drogen und Musik. Als Akt des Widerstandes beginnen sie, den US-Film "Milk" zu synchronisieren, was die Vertreter des Regimes bereits auf den Plan ruft, von Atafehs liberalem Vater jedoch noch geglättet werden kann. Dass ihr Bruder Mehran (Reza Sixo Safai) sich jedoch nach seinem Entzug den religiösen Dogmen zuwendet und sich radikalisiert der Moralpolizei andient, stellt das System der liberalen Familie auf den Kopf. Dann verlieben sich Atafeh und Shirin auch noch.

Die in den USA lebende Neoregisseurin Keshavarz verarbeitet in "Sharayet" ihre eigenen Erfahrungen als heranwachsendes Mädchen im Iran, bringt die Lebensrealität der Protagonisten der im Westen vergessenen grünen Revolution von 2009 vor die Kamera. Sie zeigt die Uniformität der Gesellschaft im öffentlichen Raum und konfrontiert das Freiheitsbestreben der Jugendlichen mit den Autoritäten. Diese haben selbst meist kein Gesicht, werden nur von hinten als entindividualisierte Machtvertreter gezeigt. Zwischengeschnittene Bilder von Überwachungskameras suggerieren zugleich den Zustand der steten Bedrohung.

Die Stärke des Werks liegt dabei in der detaillierten Schilderung des Alltags. Er verzettelt sich selten in politischen Phrasen und Befreiungsrhetorik, sondern bleibt stets nah an der Lebensrealität der Protagonisten. Auch wenn letztlich die möglichen Eskalationsstufen etwas geballt durchdekliniert werden, gelingt der Regisseurin ein stimmiges, vielschichtiges Porträt ihrer Generation im Iran. Nicht zuletzt hierfür wurde "Sharayet" 2010 bei seiner Weltpremiere am Sundance Film Festival mit dem Publikumspreis geehrt.

Kinotipps
Ich war noch niemals in New York

Kinotipp: Ich war noch niemals in New York

Musical-Verfilmung mit Heike Makatsch, Moritz Bleibtreu und Michael Ostrowski

Kinotipps
Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

Kinotipp: Fritzi - Eine Wendewundergeschichte

Kindgerechte Erzählung des Mauerfalls ab 6 Jahren

Kinotipps
M.C. Escher - Reise in die Unendlichkeit

Kinotipp: M.C. Escher - Reise in die Unendlichkeit

Doku über den niederländischen Grafiker, der auch heute noch Filmemacher, Maler und Musiker inspiriert.

Kinotipps
Lino - Ein voll verkatertes Abenteuer

Kinotipp: Lino - Ein voll verkatertes Abenteuer

Brasilianische Animationskomödie rund um einen Kinderunterhalter, der sich plötzlich in eine Katze verwandelt

Kinotipps
Bruder Schwester Herz

Kinotipp: Bruder Schwester Herz

Drama zwischen Angst, Idylle und der großen Liebe

Kinotipps
Maleficent 2: Mächte der Finsternis

Kinotipp: Maleficent 2: Mächte der Finsternis

Fortsetzung der Disney-Fantasy mit Angelina Jolie und Michelle Pfeiffer