Seit die Welt Welt ist

Dokumentation, A/E 2015

Bauer Gonzalo sorgt sich um die Zukunft seiner Kinder

Dieses Leben ist ein langer, ruhiger Fluss - der bald versiegt: Dokumentarfilmer Günter Schwaiger porträtiert in "Seit die Welt Welt ist" den spanischen Bauern Gonzalo und dessen Familie. Eine bilderstarke, liebevolle Hommage an eine verschwindende Lebensweise im ländlichen Europa, das von Arbeitslosigkeit und Überalterung gebeutelt wird.

Am Beginn wird ein Schwein geschlachtet und hernach mit Bedacht jedes Stück des Tieres verarbeitet, wobei die gesamte Familie hilft. Schwaiger beobachtet diese ruhigen Tätigkeiten mit aller Geduld in langen Einstellungen, ohne hektische Schnitte. Er lässt diesem Leben seinen eigenen Rhythmus, sei es bei der Weinpflege, dem Pilzesammeln oder der Reparatur eines Traktors.

Zugleich idealisiert Schwaiger das bäuerliche Leben nicht, zeigt auch ausführlich das Bauerndorf Vadocondes mit seinen 300 Einwohnern, in dem vornehmlich noch die Alten geblieben sind. Vieles steht zum Verkauf, die Jugend ist bereits ausgewandert oder überlegt es. Auch zwei der drei Söhne von Gonzalo sind arbeitslos.

"Es ist eine Art zu leben, nicht schlechter oder besser als andere", sinniert der Mittfünfziger, der klare "Hauptdarsteller" des Films, bescheiden über seine Existenz. Seine Gedanken ergänzen aus dem Off die rauen und zugleich hochästhetischen Bilder, die an Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts erinnern und den Jahreskreislauf in Kastilien zeigen.

So ist "Seit die Welt Welt ist" einerseits ein Abgesang und zugleich eine Liebeserklärung an ein bodenständiges Leben, eine Hommage an das Einfache. Es ist der Blick auf eine traditionelle Existenz, der ohne die sonst oft übliche Jammer-Rhetorik über EU-Fördersysteme auskommt, sondern dadurch besonders wird, dass er dem Alltäglichen Raum gibt.

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