Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Komödie, F/B 2016

Vater und Sohn nähern sich langsam an

Depardieu & Co auf Selbstfindungstrip

Drei Männer, die Probleme mit Frauen haben, unterwegs durch Frankreich: viel 'tiefe' Situationskomik, trotzdem einfühlsam.

Bruno (Benoît Poelvoorde; Nichts zu verzollen) ist anders als sein Papa Jean (Gérard Depardieu) Landwirt wider Willen. Eigentlich hat er mit Rinderzucht nichts am Hut, weshalb er auf der Messe für Landwirtschaft in Paris auch lieber mit seinem Kumpel bei einer "Tour" zwischen den Weinständen inflationär Rebensaft verkostet, anstatt seinen Vater bei dessen bevorstehendem Auftritt mit einem Zuchtstier zu unterstützen. Als er mit einem unbeholfenen Versuch, bei einer Besucherin zu landen, abblitzt, übermannen ihn die Gefühle. Und Jean sieht nur einen Ausweg, den Filius aus seinem mentalen Tief zu holen: eine echte Weinreise. Man entert das Taxi des jungen Mike (Vincent Lacoste) - Auftakt zu einer ereignisreichen Odyssee. Während der geht es zwar auch um Weine, vor allem aber um Frauen. Mit dem weiblichen Geschlecht läuft es beim Trio nämlich aus unterschiedlichen Gründen unrund: Jean telefoniert zwar regelmäßig mit Brunos Mama, ist aber in Wahrheit Witwer, Bruno plagt als "ungebildeter" Landwirt ein Minderwertigkeitskomplex, und Mike erzählt zwar, er wäre glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder, ist aber in Wahrheit Single. Kann ausgerechnet die mysteriöse Venus (Céline Sallette) die Probleme der drei Männer lösen?

Poelvoorde-Glanzlichter. 2010 ließen Gustave Kervern und Benoît Delépine Gérard Depardieu in Mammuth mit Rockermähne tragikomisch auf seinem alten Motorrad durch Frankreich gondeln, jetzt schickt das Regie-Gespann den mittlerweile 67-Jährigen wieder auf "Tour de France". Was er dabei mit seinen Begleitern erlebt, ist zwar bisweilen bewegend und rührend -etwa wenn Bruno glaubt, sein Vater würde mit einer jungen Frau am Handy flirten, um dann zu erfahren, dass Jean auf die Mailbox seiner verstorbenen Frau spricht, nur um bei der Ansage ihre Stimme zu hören. Im Vordergrund steht aber skurrile, ungeschminkte Situationskomik, bei der die Lacher oft unter die Gürtellinie zielen. Dass Saint Amour trotzdem nie peinlich ist und bei aller Derbheit einfühlsam männliche Gefühlszustände auslotet -ein kleines Kunststück! Die Glanzlichter des Berlinale-Beitrags (lief heuer außer Konkurrenz), setzt der grandiose Benoît Poelvoorde. Wie der Belgier seinem Freund die zehn Stadien der Trunkenheit erklärt (und dem Zuschauer vorführt!), ist großes Kino in einem kleinen Film.

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