Rule of Law

Dokumentation/ , A 2006
Claudia Fenz: Rechtsprechung zwischen den Kulturen

Claudia Fenz: Rechtsprechung zwischen den Kulturen

In dieser Kino-Doku führt Susanne Brandstätter die Zuschauer in einen Gerichtssaal in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Sechs Männer sind wegen des gewaltsamen Todes eines alten Mannes und seiner noch älteren Mutter angeklagt. Die Täter sind Kosovo-Albaner, die Opfer Serben, den Vorsitz führt UNO-Richterin Claudia Fenz aus Wien. Ein spannendes Stück Zeitgeschichte.

Die Basis der Gerichtsverhandlung könnte komplizierter nicht sein: Die österreichische Richterin Claudia Fenz führt den Vorsitz unter der Flagge der Vereinten Nationen in einem abgenutzten Gerichtssaal im Kosovo, muss sich des serbischen Rechtskodex versetzt mit UN-Übergangsbestimmungen bedienen und einen Prozess gegen sechs ethnische Albaner unterschiedlichen Alters leiten, die als Teil einer aufgebrachten Menge bei den Unruhen vom 17. März 2004 einen 50 Jahre alten Serben in Gnjilane sowie dessen 78 Jahre alte Mutter steinigten. Der Prozess wird auf Englisch und Albanisch geführt, mit Dolmetschern "unterschiedlicher Qualität", wie Fenz es gegenüber ihrer Assistentin, der Französin Virginie, beschreibt.

Die Dokumentation, die zwischendurch wegen der Authentizität ihrer Protagonisten bei den Dialogen fast Spielfilmcharakter hat, ist in zwei Handlungssträngen aufgebaut: die Verhandlung gegen die Kosovo-Albaner, von denen sich ein Teil bis zur Urteilsverkündung uneinsichtig zeigt - "Jaja, ich hab's gehört", so einer der Angeklagten auf die Frage, ob er das Urteil verstanden habe - sowie in die Fahrten, die Fenz mit ihrem einheimischen Dolmetscher Osman Kuci in die Dörfer der Provinz unter UN-Verwaltung macht.

Der behutsame Osman ist eine Schlüsselfigur im 90-minütigen Streifen: Er öffnet der Wienerin mit ihren westeuropäischen Ansichten in langen Diskussionen beim Abendessen mit Freunden - bei dem immer wieder der Strom ausfällt - den Blick auf eine andere, jahrhundertealte lokale Rechtsvorstellung, den Kanun. Dieser steht in starkem Gegensatz. Fenz: "Nicht die individuelle Bestrafung wie bei uns steht im Vordergrund, sondern der Tatausgleich und die Versöhnung."

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