Rubljovka

/ , D 2007 Rubljovka

Irene Langemanns Doku "Rubljovka - Straße der Glückseligkeit" über die Nobelgegend 30 Kilometer westlich von Moskau ist nicht unbedingt gut strukturiert. Aber das ist auch kein Wunder, musste doch vielfach aus Büschen oder aus dem Auto heraus gefilmt werden, weil Drehgenehmigungen fehlten.

Die russlanddeutsche Regisseurin hat in einer Momentaufnahme der neureichen russischen Gesellschaft, dem Raubtierkapitalismus ins Maul geschaut - und dafür nicht zu Unrecht den Publikumspreis der Viennale bekommen. Rubljovka, eigentlich Rubljovo-Uspenskoe Chaussee, ist der Name jener Moskauer Straße, die vom Kreml direkt zum nobelsten Wohngebiet der Stadt führt - "eine kleine Oase der Diamanten, des Goldes, des schönen Lebens", wie ein Immobilienmakler im Film erläutert. "Hier wohnt die feine Gesellschaft, die Aristokratie. Auch Künstler, Schauspieler, Politiker und Geschäftsleute." Und natürlich wohnt hier Staatsoberhaupt Wladimir Putin, der mit seinem Konvoi samt Eskorte immer wieder für kurze Zeit den Verkehr zum Erliegen bringt. "Die Präsidentenstraße ist ein Hochsicherheitstrakt", erzählte Langemann im Gespräch mit der APA, als sie über die Widrigkeiten des Drehs berichtet.

Die Datschen der Rubljovka kosten bis zu 20 Millionen Dollar, hier hat Putin die Oligarchen des Landes - früher etwa auch den mittlerweile inhaftierten Öl-Magnaten Michail Chodorkowski - ebenso wie die kulturelle Elite - u.a. den Cellisten Mstislaw Rostropowitsch - versammelt. Der Mikrokosmos der neuen Herrscher, irgendwo zwischen Politprominenz und jenen Neureichen, die sich die Öffnung des Marktes zunutze machen konnten, wird konterkariert von der armen Anrainer-Bevölkerung, die permanent neuen Villen Platz machen müssen. "Ich wollte nicht, dass nur die Neureichen zu Wort kommen, sondern auch die Vertreter der verschiedenen sozialen Schichten, die alle dort leben und arbeiten", so Langemann.

Eine der spannendsten Figuren ist ein kleiner Roma-Bub, den Langemann ins Zentrum des Films stellt. "Der hat mich sehr fasziniert mit seinen Aussagen und seinem Bildungsgrad", so die Regisseurin. Und der erst zwölfjährige Romanow, der mit 14 schon seine Matura machen wird, spricht als einziger direkt die politischen Probleme des Landes an. Wenn er erklärt, warum in der "staatlichen Verwaltung Russlands endlich etwas passieren muss" und nüchtern meint, dass dafür aber erst einmal der Angriff auf die Demokratie gestoppt werden müsse, wird einem erst bewusst, dass hier Dinge ausgesprochen werden, die man aus dem Mund eines Erwachsenen sicher nicht gehört hätte.

Langemann, um die sich einst der KGB als Spionin bemühte, stand während der gesamten Dreh- und Postproduktionszeit unter erheblichem Druck. "Als ich angefangen habe, hatte ich noch das Jelzin'sche Russland vor Augen", erzählte sie, "das war schon halb demokratisch." Jahr für Jahr habe sich das verändert, heute sei Russland "immer mehr ein Polizeistaat: Das ist nicht der Weg in die Zukunft, das ist der Weg in die Vergangenheit." Die wichtigsten Medien seien gleichgeschaltet, das russische Fernsehen ein Propagandaapparat, alles müsse vom FSB - der Nachfolgeinstitution des KGB - genehmigt werden - "das ist wie in Sowjetzeiten".

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