Rolf Hosfeld spürt Tucholskys deutschem Leben nach

Neue Tucholsky Biografie

Neue Tucholsky Biografie

100 Jahre nach der Erstauflage von "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" legt Rolf Hosfeld eine neue Tucholsky-Biografie vor. Kurt Tucholsky (1890-1935) war immer zwischendrin, aber nie so richtig dabei. Er gab sich links, war aber "im Kern wertkonservativ". Die Distanz des Beobachters hielt ihn davon ab, klar und eindeutig Partei zu ergreifen - ein Journalist und Schriftsteller eben.

Mit dieser Grundeinstellung zog auch er sich in der Weimarer Republik der 1920er Jahre die Beschimpfung der Kommunisten als lebensferner Intellektueller zu. Max Weber sprach von "einer ins Leere laufenden Romantik des intellektuell Interessanten ohne alles sachliche Verantwortungsgefühl". Tucholsky hielt dem entgegen: "Ich will keine Reiche gründen, ich halte mich von Dingen fern, denen ich nicht gewachsen bin."

Bereits mit 23 Jahren wird er Mitarbeiter der "Schaubühne" und der Zeitschrift "Simplicissimus'". Er studiert Jura und promoviert 1915. Noch im selben Jahr wird er zum Militär eingezogen - ins Baltikum. 1918 wird er nach Rumänien versetzt. Im Juli 1914, einen Monat vor Kriegsausbruch, tritt er aus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin aus. Vier Jahre später lässt er sich evangelisch taufen. Tucholsky selbst sei nicht mit Antisemitismus konfrontiert gewesen. Aber, schreibt Hosfeld, seit der Taufe "steht einer Beförderung zum Vizefeldwebel und Feldpolizeikommissar ... nichts mehr im Wege". Das ist bemerkenswert für einen Mann, dessen Zitat "Soldaten sind Mörder" noch in den 1970er Jahren von Kriegsdienstverweigerern verwendet wurde.

Im Baltikum lernt Tucholsky Mary Gerold aus Riga kennen. Er lockt sie Anfang Januar 1920 nach Berlin - und heiratet am 3. Mai jene Else Weil, mit der er seit der Landpartie im Sommer 1911 nach Rheinsberg liiert ist. Dies zeigt zweierlei in den Beziehungen zu Frauen: Tucholsky kann nicht allein sein, und er kann sich nicht entscheiden. Er ist Zeit Lebens hin und her gerissen zwischen der Bürgerlichkeit einer Mary Gerold und der eher frivolen Art einer Else Weil oder gar der späteren Lisa Matthias.

Wenn "Rheinsberg" 1912 der Auftakt zu Tucholskys schriftstellerischem Schaffen war, bildet "Schloss Gripsholm" quasi dessen Abschluss. Hier schreibt der erfahrene Tucholsky, der "ein Gran Böses ..., ein Löffelchen Ironie, nichts Schmachtendes, sehr viel Wille, sehr viel Erfahrung und sehr viel Unschuld" in das Stück von 1931 streut. Auch dieser Sommer in Schweden war nicht gänzlich ungetrübt. "Wenn man umzieht, ziehen die Sorgen nach", sagt Tucholsky.

INFO: Rolf Hosfeld: Tucholsky. Ein deutsches Leben, Siedler Verlag, München, 320 Seiten, ISBN 978-3-88680-974-5, 22, 70 Euro.

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