Rocky Balboa

Drama/ , USA 2006
Verdienter Abgang eines Unterklasse-Helden

Verdienter Abgang eines Unterklasse-Helden

Sylvester Stallone schickt seine erste Kreation in den Ruhestand, aber davor muss Rocky Balboa noch einmal in den Ring steigen. Der sechste und letzte Teil der erfolgreichen Boxer-Serie kehrt nach dem famos schlechten fünften Teil unter dem Titel "Rocky Balboa" zur erfolgreichen Formel zurück: Der Boxer muss noch einmal gegen einen übermächtigen Gegner kämpfen - und kann dabei nur verlieren.

Rocky I (1976), das war der Boxerfilm, der deshalb so grandios war, weil er etwas ganz anderes erzählte als vom Sieg des Underdogs im Boxring. Trotz der berühmt-pathetischen Stiegenszene und den gut geklopften Schweinehälften ist Rocky in dem Film nicht lediglich ein hoffnungsloser Boxer, der es doch noch schafft. Denn Rockys amerikanischer Traum hat seinen Sieg in der Niederlage gefunden. Im Rest der Film-Serie ging Rocky dann jedoch inhaltlich k. o., im Luxus des Lebens als Champion und dem dummpatriotischen Kampf gegen den blonden Russen in Rocky IV. Im fünften Teil gibt es nur noch Familienkitsch und Straßenkampf.

Doch wer dem Boxer trotz allem zerschlagenen Porzellan einen gerechten Abgang wünscht, der der Melancholie und Tragik des hochklassigen Unterklasse-Kämpfers gerecht wird, wird in "Rocky Balboa" zu großen Teilen gut bedient. Rocky hat Herz und Mut und Schlagkraft wie eh und je - aber gelernt aus seinem Leben hat er nichts. Stallone verschreibt ihm einen Abgang als unbelehrbarer Kämpfer. Das hat Rocky zwar nicht verdient, ist aber vielleicht die einzige logische Konsequenz aus den Vorgängern.

Rocky ist zum traurigen, sanften, alten Helden geworden, und Stallone glänzt als dessen Darsteller: Gebrochener Witwer nach dem Tod von Adrian, als Vater ein Versager, muss Rocky in seinem eigenen Restaurant in Philadelphia den Gästen seine alten Box-Geschichten erzählen. Mit der geduldigen Routine eines Verlierers, der einen zu kleinen Hut und einen hässlichen Hund hat. Diese Schilderung von Rockys Leben - all die Trauer um seine Frau, um sein Leben - gelingt am besten.

Doch in Rockys Innerem rumoren noch die Dämonen des Boxers. Und dann inszeniert ein Sportsender am Computer einen virtuellen Kampf zwischen Balboa und dem aktuellen, unbeliebten und ungeschlagenen Champion Mason Dixon (Antonio Tarver). Und Rocky gewinnt. Da erwacht das Auge des Tigers. Auch wenn dessen Lid altersbedingt tiefer hängt als jemals zuvor.

Der alte Kämpfer lässt sich auf die folgende Herausforderung ein, es gegen den Jahrzehnte jüngeren, in seiner Ehre gekränkten Champ im Ring aufzunehmen. Also fängt er wieder an zu trainieren. Stallone zeigt einen Körper wie eine griechische Skulptur mit dem Titel "Das Alter des Helden", zerklüftet von Krampfadern, unter der schlaff werdenden Haut stahlharte Muskelwulste. Das nahende letzte Aufbäumen wohl auch des 60-jährigen Schauspielers, der bald noch eine zweite Serie zum Abschluss bringt: "Rambo 4" wird 2008 starten.

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