RocknRolla

Action/Komödie, GB 2008
Guy Ritchies neuer Streich

Guy Ritchies neuer Streich

Mit "RocknRolla" knüpft Guy Ritchie an seine frühen Erfolge, die Kultfilme "Bube, Dame, König, grAs" und "Snatch", an. Das neue Werk amüsant, leicht, detailfreudig und originell. Hauptdarsteller ist Tom Wilkinson, der als Lenny Cole den mächtigsten Mann Londons mimt, zumindest was zwielichtige Geschäfte in und aus dem Untergrund angeht. Doch langsam laufen die Dinge langsam aus dem Ruder.

Ein Russe mit eigenen Machtbestrebungen tritt aufs Parkett, eine schöne Frau vereitelt die Pläne. Und einige trottelige Ganoven sorgen für zusätzliches Durcheinander. Wer mit wem eigentlich Geschäfte macht, ist von Beginn des Films nicht leicht zu durchschauen, so vertrackt und bizarr sind die Verflechtungen. Lennys rechte Hand, Archy (Mark Strong), begleitet die Geschichte erzählend aus dem Off: Sein Chef verspricht dem russischen Milliardär Uri Omovich - eine Kopie des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch - eine rasche Baugenehmigung für sieben Millionen Euro. Bis zum Abschluss des Deals leiht Omovich Lenny sein Lieblingsgemälde, das ihm bisher immer Glück gebracht hat. Nun soll es Lenny Glück bringen. Diesem aber wird es gestohlen. Panik bricht aus, das Bild muss dringend wiederbeschafft werden.

Gleichzeitig werden Omovichs sieben Millionen von den Kleingangstern One Two (Gerard Butler) und Mumbels (Idris Elba) geklaut. Dabei hatte Omovichs gewiefte Buchhalterin, die betörende Stella (Thandy Newton), ihre Hände im Spiel, um sich selbst zu bereichern. Dann gibt es da noch Lennys Stiefsohn (Toby Kebbell), ein drahtiger Rockmusiker, der völlig in seinem Crack-Rausch vernebelt, dabei aber aufgrund einer humanistischen Erziehung sehr poetische Weisheiten von sich gibt - eines von vielen liebevollen Details des Films.

Das Ganze gestaltet Ritchie, der im November vergangenen Jahres von Popstar Madonna geschieden wurde, wie ein Kammerspiel: Die Charaktere treten auf die Bühne und in Interaktion miteinander, bewegen, vermengen sich, trennen sich wieder - alles auf sehr überschaubarem lokalen Raum. Dass da herum ein globales London wirkt, dessen erinnert man sich, wenn hin und wieder der berühmte Stahlturm von Norman Foster, der "Swiss-Re-Tower", ins Bild rückt: Der wegen seiner Form gern auch "Gurke" genannte Turm erscheint dabei wie ein Symbol der glamourösen und verschlungenen Finanz- und Machtstränge einer Weltstadt, in der nicht Drogen, sondern Immobilien das große Geld bringen - von Finanzkrise übrigens keine Spur.

Insbesondere das Gespür Ritchies für Kleinigkeiten macht den Film zum Genuss: Feine Dialoge und kleine lustige Szenen, die sich durch Situationskomik auszeichnen. Ritchie, der in diesem Jahr auch eine Neuverfilmung von "Sherlock Holmes" in die Kinos bringt, plant eine Trilogie seiner neuen Gangsterkomödie.

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