Risse im Beton

Drama, A 2014
Ertan kämpft mit sich selbst am meisten

Ertan kämpft mit sich selbst am meisten

Es gibt sie zuhauf, die negativen Zuschreibungen für Jugendliche mit Migrationshintergrund, ob in den Medien oder am Stammtisch. Der junge Wiener Regisseur Umut Dag wendet sich dem Milieu abseits von Klischees und Vorverurteilungen zu - und zeichnet mit seinem neuen Film "Risse im Beton" eine brutal ehrliche Studie eines von Gewalt geprägten Umfelds in Wiener Randbezirken.

Ertan (Laiendarsteller Alechan Tagaev) läuft Nacht für Nacht durch die Straßen Wiens. Zehn Jahre lang saß er wegen Totschlags und Drogenbesitzes im Gefängnis. Wieder in Freiheit ist er ein gebrochener Mann, gezeichnet von der Haft und schaflos ob der eigenen Zukunft. Er will raus aus dem kriminellen Sumpf, in dem sein alter Kumpel Yilmaz noch immer steckt. Der sagt ihm: "Du kriegst dich von der Straße, aber du kriegst die Straße nicht aus dir." Und: "Du bist und bleibst Kanake."

Einer von Yilmaz' Schergen ist Mikail. Der 15-Jährige hat die Schule abgebrochen, hängt mit seinen Kumpeln auf der Straße ab und verkauft in Clubs Drogen, um sein eigenes Rap-Mixtape zu finanzieren. Auf der Baustelle seines Jugendklubs mit Tonstudio lernt er Ertan kennen, der unvermittelt ein besonderes Interesse an ihm zeigt und nichts unversucht lässt, ihn vor jenem Schicksal zu bewahren, das ihm selbst jede Hoffnung genommen hat.

Umut Dag beschönigt bei seinem zweiten Spielfilm nichts. Hat sich der junge Wiener mit kurdischen Wurzeln in seinem hochgelobten Debüt "Kuma" in einer Art Kammerspiel zwei türkischen Frauen inmitten eines zerbrechlichen, von Werten geprägten Familienkonstrukts gewidmet, gibt er in "Risse im Beton" schonungslos Einblick ins Milieu kriminalitätsgefährdeter Wiener Jugendlicher mit Migrationshintergrund in den Randbezirken Wiens. Frauen sind hier nur die leidtragenden Figuren am Rande eines von Patriarchat, Gewalt und Macho-Gehabe geprägten Systems.

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