Ricki - Wie Familie so ist

Komödie/Drama, USA 2015

Meryl Streep als erfolgreiche Rocksängerin Ricki Rendazzo

Wieder ein Musikfilm von Jonathan Demme - allerdings nicht dokumentarisch wie die wunderbare Konzertdoku "Stop Making Sense", sondern ein Spielfilm. Oscar-Preisträgerin Meryl Streep gibt in "Ricki - Wie Familie so ist" die erfolgreiche Rocksängerin Ricki Rendazzo. In Jahrzehnten auf der Bühne und im Tourbus hat sie ihre Familie komplett vernachlässigt. Nun will sie Versäumtes nachholen.

"Ricki - Wie Familie so ist" erzählt amüsant, wenn auch recht konventionell und vorhersehbar. Dennoch ist der Film sehenswert - dank Streep, die als Gitarristin und Sängerin eine tolle Performance liefert, an der Seite von Rock-Veteran Rick Springfield und ihrer Coverband Ricki and the Flash. Und dank Mamie Gummer, die im Film wie im wahren Leben Streeps Tochter ist.

Eines Tages platzt Ricki überraschend ins beschauliche Vorstadt-Leben ihrer Familie. Die Söhne Adam und Josh wollen von ihr nichts wissen. "Oh mein Gott, sie spielt Mami, hat jemand eine Kamera?" kommentiert Adam Rickis Versuche, ein Familiengefühl aufzubauen. Für ihn ist Maureen die Mutter, gespielt von der vielfach ausgezeichneten Sängerin und Schauspielerin Audra McDonald. Sie ist die fürsorgliche Frau an der Seite von Rickis Ex-Mann Pete (Kevin Kline) und fühlt sich von Ricki an den Rand gedrängt. Ein Zickenkrieg beginnt. Maureen: "Wer glaubst du hat die ganzen Jahre diesen Mami-Kram gemacht?". Ricki: "Du hast mir meine Kinder entfremdet!"

Auf totale Ablehnung stößt Ricki bei ihrer Tochter (Gummer). Julie steckt in einer tiefen Depression, seit ihr Mann sie jäh verlassen hat. Rickis unbeholfene Versuche, ihr beizustehen, weist sie brüsk zurück. Unvergessen die Jahre, als sich das Mädchen nach der Mutter sehnte und immer wieder enttäuscht wurde. So entsteht eine Dynamik aus Wut und Trotz, aus Liebe und Ablehnung, wie sie so typisch für Mütter und Töchter ist.

Meryl Streep und Mamie Gummer als Mutter-Tochter-Duo spielen wunderbar: Zwei desillusionierte Frauen, verletzt, unsicher, aufbrausend und in vielerlei Hinsicht ähnlich, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen. Julie hat den Glauben an die Liebe und sich selbst verloren. Und Ricki muss erkennen, dass das, was sie zuhause versäumt hat, unwiederbringlich ist. Doch das, so die Botschaft von Demme und Drehbuchautorin Diablo Cody (Oscar für bestes Drehbuch für "Juno"), ist vielleicht gar nicht so tragisch, denn Erfüllung gibt es auch abseits der üblichen Wege. Und zumindest für Ricki lag diese nie zwischen Haushalt, Schule und Kindergeburtstag.

Der Film erhebt keine Anklage und erklärt die Standardfamilie nicht zum allein selig machenden Lebensziel. Das ist sympathisch. Ricki bleibt die leidenschaftliche Rockerin, oft getrieben und zweifelnd, aber auf der Bühne in ihrem wahren Element. In der Vorstadt wird sie dafür angefeindet, trägt sie doch weiter Lederjacke, Jeans und Zöpfe: "Hast du heute noch einen Gig oder läufst du immer rum wie eine Trucker-Nutte?"

Am Ende geht es in Jonathan Demmes Film vor allem darum, eigene Fehler zu erkennen, sich gegenseitig zu verstehen und vielleicht auch zu vergeben - ohne viele Worte. Hier zeigt sich, wie meisterhaft der Regisseur des Psycho-Thrillers "Das Schweigen der Lämmer" mit Musik umgehen kann und wie leidenschaftlich er deren Sprache versteht. Denn anstatt den Film mit Dialogen zu überfrachten und Gefahr zu laufen, am Ende doch nicht die treffenden Worte zu finden, lässt er Ricki singen. Und zwar echt, nicht Playback, wie sonst in Filmen oft üblich, darauf legt der 71-Jährige US-Amerikaner Wert: "Mir kam nie etwas anderes in den Sinn, als die Band wirklich spielen zu lassen." So spricht Streep mit ihrem rauen Gesang: mal wild und unbändig, mal leidenschaftlich und dann wieder ganz leise, inbrünstig und voller Liebe.

Eine Herausforderung auch für Streep, die einen Gitarren-Lehrer engagierte und Monate lang übte, um mit der Band mithalten zu können, allen voran Rick Springfield ("Jessie's Girl") , im Film Rickis Liebhaber und auch Gitarrist. Zwei Wochen hatten die Musiker Zeit, zu einer Band zusammenzuwachsen. Anfangs sei es ihr schwer gefallen, bekennt Streep. "Dann, ungefähr am sechsten Tag, sprang der Funke über, und wir konnten nicht mehr aufhören zu spielen. Wir spielten und spielten und spielten, und ich konnte wirklich endlich verstehen, warum Ricki das niemals aufgeben wollte, weil es sooooo viel Spaß bereitete."

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