Requiem

Drama/Horror, D 2006
Sandra Hüller brilliert im Exorzismus-Drama

Sandra Hüller brilliert im Exorzismus-Drama

"Requiem" von Hans-Christian Schmid beruht auf den wahren Begebenheiten des Exorzismus-Falles von Anneliese Michel in den 70er Jahren in Deutschland. Schmids hervorragende Bearbeitung des Stoffes offenbart dabei vor allem die Hilflosigkeit des sozialen Umfelds eines psychisch kranken Mädchens.

Der Regisseur von "23" und "Lichter" setzt in "Requiem" nicht auf Effekthascherei, auch eine Horrorfilm-Herangehensweise wie bei "Der Exorzismus der Emily Rose" (der Film behandelt die gleiche Geschichte) ist ihm fremd. Schmid ist Vertreter eines dogmatischen Stils und eines undogmatischen Zugangs. Er verwendet hauptsächlich natürliches Licht, seine Kamera ist mit schnellen Zooms und ruckhaften Schwenks immer sehr beweglich. Gleichzeitig bleibt er ganz nah an den Darstellern und vermittelt ein Gefühl von unerbittlicher Nähe und bedrückendem Realismus.

Er verfolgt die Entwicklung von Michaela Klingler sehr fokussiert und verlangt dadurch auch von seinen Darstellern sehr viel: Sandra Hüller, eigentlich Theaterschauspielerin, jagt einem bei ihrem Filmdebüt so manche Gänsehaut über den Rücken. Sie schlüpft richtiggehend in die Haut der jungen Michaela, die in einer ländlichen und äußerst katholischen Gegend aufgewachsen ist und gerade in Tübingen zu studieren beginnt. Michaela leidet an Epilepsie und fühlt sich von Dämonen bedroht. Die Tabletten, die sie von den Ärzten bekommt, helfen nicht, bei ihren Anfällen schafft sie es nicht einmal mehr, den Rosenkranz zu berühren.

Statt Ärzten konsultiert sie immer öfter Priester, statt in Krankenhäuser flüchtet sie - gemäß ihrem starken Glauben und ihrer christlichen Erziehung - in Kirchen. Mit der Zeit ist Michaela davon überzeugt, vom Teufel besessen zu sein. Als sie die Schmerzen und den ungewissen Zustand nicht mehr aushält, beschließt sie mit ihren Eltern und einem Priester, sich einem Exorzismus zu unterziehen. Ihre Freundin Hanna und ihr Freund Stefan aus Tübingen sind gegen diese Maßnahme, aber auch sie fühlen sich hilflos angesichts von Michaelas Zustand.

"Mich hat gereizt zu zeigen, wie es passieren kann, dass jemand den Boden unter den Füßen verliert, fällt und nicht gehalten werden kann", sagte Hüller. Tatsächlich geht es auch dem Zuschauer recht ähnlich. Es bleibt eine Ungläubigkeit zurück, die erschreckt: Wie konnte so etwas in den 70er Jahren in Deutschland passieren? Michaela stirbt schließlich nach zahlreichen Exorzismus-Sitzungen an Entkräftung - wie das reale Vorbild Anneliese Michel. Das wird vom Film aber gar nicht mehr gezeigt, und das ist auch gar nicht nötig...

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