Religulous

Dokumentation, USA 2008
Bill Maher (l.) auf einem religiösen Trip

Bill Maher (l.) auf einem religiösen Trip

Etwa zwei Jahre nach seiner Gesellschaftssatire "Borat" nimmt Regisseur Larry Charles in "Religulous ­ Man wird doch wohl fragen dürfen" die Religionen und ihre Anhänger gekonnt aufs Korn. Bei seiner provokanten, allerdings etwas langatmigen Dokumentation bleibt dem Zuschauer oft das Lachen im Halse stecken ­ etwa wenn es um Glaubenskriege geht.

Während in "Borat" Sacha Baron Cohen auf seinem Trip durch die USA gesellschaftliche Intoleranz aufspürt, wird in "Religulous" der Fernsehtalker und Comedian Bill Maher (Drehbuch und Produzent) auf eine Reise um die halbe Welt geschickt. Sie führt ihn vom biblischen Freizeitpark in Florida (mit drittklassigem Musical über die Kreuzigung Jesus) bis zum Ölberg nach Jerusalem, von der muslimischen Schwulenbar in Amsterdam bis zum Vatikan in Rom. Der bekennende Agnostiker Maher, Sohn einer Jüdin und eines Katholiken, verteilt in seinem "religiösen Roadtrip" auch Seitenhiebe in Richtung Mormonen und Scientologen.

"Religulous" ist eine Wortschöpfung aus "religious" (religiös) und "ridiculous" (lächerlich). Und diese Kombination ist der rote Faden der respektlosen Dokumentation. Etwa wenn ein Gesprächspartner keinerlei Zweifel an Jonas dreitägigem Aufenthalt im Bauch eines Wals hegt, das Schöpfungsmuseum in Kentucky zum Entsetzen von Evolutionsforschern darstellt, wie Kinder einst friedlich neben Dinosauriern spielten, oder Gläubige ihre Gefühle im Cannabis-Rausch in einer Kirche ausleben. "Das Lustige ist dabei absolut erschreckend, und das Erschreckende brüllend komisch", meint Regisseur Charles.

"Bill Maher ist der Borat der Gotteswege in Religulous", schrieb das "Wall Street Journal". "Borat" zog Klagen von interviewten Amerikanern nach sich, die sich von dem angeblichen Reporter aus Kasachstan überrumpelt fühlten. Solchen Ärger wird "Religulous" wohl nicht auslösen: Denn Maher spielt stets mit offenen Karten und bohrt ehrlich, scheinbar naiv und beharrlich bei seinen Gesprächspartnern nach ­ manchmal wirkt er dabei jedoch schon fast selbstherrlich. Eine freche Satire, die zugleich beleidigend ist.

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