Regisseur Heltschl über "Der gläserne Blick"

/ , A/D 2003
Regisseur Heltschl über "Der gläserne Blick"

Eine Leiche, eine mysteriöse Fremde, ein Polizist mit privaten Problemen - der Tiroler Regisseur Markus Heltschl lässt in "Der Gläserne Blick" die Grenzen zwischen Krimi und Drama verschwimmen. Inhaltlich steht die Suche nach der Wahrheit ebenso im Mittelpunkt wie die komplexe Figur des Kommissars.

Ausgangspunkt ist ein Tag am Meer bei Lissabon, den der von seiner Frau getrennt lebende Polizist Pinto (Miguel Guilherme) mit seiner Tochter verbringt. Da wird die Leiche eines Mannes angeschwemmt. Der Kommissar findet die Videokamera des Toten, auf den Aufnahmen ist eine junge, offenbar heimlich gefilmte Frau zu sehen. Er spürt die Französin (Sylvie Testud), angeblich Musikstudentin aus Wien, auf. Sie hat mit dem Toten offenbar mehr zu tun, als sie zugibt. Die Geschichte, die Pinto aus ihr herausbringt bzw. sich selbst zusammenreimt, dreht sich um enttäuschte Liebe, Leidenschaft und Rache.

"Was ist Wahrheit? Das ist sicherlich ein Thema des Film", betonte der 51-jährige Regisseur. "Man nimmt Dinge wahr, aber wie bewertet man sie? Der Polizist schaut sich das Video an und kennt Fragmente der Wahrheit. Aber er kann damit allein den Fall nicht lösen. Das ist eine philosophische Frage: In wie weit entsprechen Bilder, die wir über Videos und Fernsehen aus irgendwelchen Teilen der Welt übermittelt bekommen, der Wirklichkeit."

Die Idee zu dem Projekt hatte Heltschl bei einer Wanderung in Portugal beim Anblick halb verfallener Landhäuser. Der Hauptschauplatz Lissabon vermittelt eine ganz eigene Atmosphäre. "Das Bild dieser Stadt setzt sich in den Köpfen der Zuseher wie ein Puzzle zusammen. Und es ist ein anderes als jenes, das andere Regisseure gezeigt haben." Die Finanzierung sei auf Grund des Drehortes schwierig gewesen, dafür sei es in Portugal leichter, Drehgenehmigungen zu erhalten.

In "Der gläserne Blick" wird in vier Sprachen gesprochen. "Zum einen ist das ein klares Statement, dass ich keine synchronisierten Filme mag, zum anderen ein Realitätsfaktor. Nicht jeder Portugiese spricht schließlich Deutsch", so der Tiroler. Außerdem ergeben sich durch Kommunikationsprobleme wiederum völlig andere Sichtweisen und Fragen - also wiederum andere Realitäten.

Schon beim Schreiben des Drehbuchs habe er eine Doppelstrategie verfolgt, betonte Heltschl. "Der Kriminalfall ist Anlass der Geschichte, aber eigentlich geht es um den Polizisten. Dass ich Genregrenzen überschreite und verletzte, ist mir bewusst. Aber das hat Hitchcock auch gemacht."

Kameramann Christian Berger hat beim Drehen ein von Lichtdesigner Christian Bartenbach entwickeltes Beleuchtungssystem eingesetzt. Dazu der Regisseur: "Damit kann man Licht exakt streuen. Mit einem Scheinwerfer lässt sich ein ganzer Platz ausleuchten. Das Licht ist weicher, weiter weg, man hat nicht diese Hitze. Die Schauspieler müssen nicht auf den Millimeter genau positioniert werden, was ihnen mehr Freiheiten gewährt."

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