Rapunzel - Neu verföhnt

Komödie, USA 2010
Alter Stoff "aufgeföhnt"

Alter Stoff "aufgeföhnt"

"Das Beste beider Welten" sollte der 50. animierte Disney-Film vereinen: den Charme des Handgezeichneten mit den Möglichkeiten der Computeranimation. Und das ist mit "Rapunzel - Neu verföhnt" tatsächlich gelungen.

Frei nach dem Grimm-Märchen rund um eine langhaarige Schönheit, die von einer bösen Zauberin in einem Turm eingesperrt wird, schuf Disney im diesjährigen Weihnachts-Familienfilm entzückend menschliche Figuren in einer abwechslungsreich animierten Welt, die durch stimmigen 3D-Einsatz noch aufgewertet wird.

"Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter" ist wohl der einzige Satz, der aus dem Märchen der Gebrüder Grimm für die Disney-Adaption erhalten geblieben ist. Bereits in den 40er Jahren hatte Walt Disney an einer Adaption des Märchens gearbeitet, heute erscheint die Geschichte stark abgeändert. Aus dem Mädchen aus armen Hause wurde eine Prinzessin, aus der bösen Zauberin die frustrierte, alternde Frau Gothel, aus dem rettenden Prinzen ein charmanter Dieb.

Der gutaussehnde Flynn Rider ist auf der Flucht. Wegen seiner Gaunereien wird er überall gesucht. Da kommt ihm ein verlassener Turm, der mitten im Wald steht, als Versteck gerade recht. Er wäre sicher schreiend davon gerannt, hätte er geahnt, wer sich in dem Turm befindet: Rapunzel persönlich verbringt hier seit vielen Jahren einsam ihr Leben. Die Tatsache, dass Flynn ausgerechnet am Tag vor ihrem 18. Geburtstag erscheint, sieht sie als Geschenk: Er soll ihr helfen, ihren Traum zu verwirklichen, an den Ort zu kommen, an dem jedes Jahr an der Nacht ihres Geburtstages helle Sterne wie Lichter erscheinen. Mit ihrem ultralangen blonden Haar schafft sie es nicht nur, Flynn um den Finger zu wickeln, sondern auch, ihn zu fesseln.

Mit "Rapunzel" knüpft Disney trotz Computeranimation an frühere, liebevoll gezeichnete Märchenfilme an. Das ist nicht zuletzt John Lasseter, revolutionärer Gründer der Computeranimationsschmiede Pixar und Kreativ-Chef von Disney, zu verdanken. Als Mentor holte er Glen Keane an Bord, der schon Charaktere wie Pocahontas, Arielle, die Meerjungfrau, und Tarzan schuf.

Auf 3D-Effekthascherei verzichtet der Film- stattdessen wird es dort dreidimensional, wo es Sinn macht: vom meterlangen, goldenen Haar bis zum kitschig-schönen Finale, bei dem Hunderte Laternen in den Himmel aufsteigen. Der Fokus liegt wie einst auf den Charakteren, wobei das menschlich wirkende Pferd Maximus und das misstrauische Chamäleon Pascal für die meisten Lacher sorgen.

Nach 100 Minuten kurzweiliger Unterhaltung wird man fast wehmütig, wenn Disney verkündet, "Rapunzel" solle die letzte Märchenverfilmung des Traditionshauses werden.

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