Ragin

Drama/ , RUS 2004
Irgendwo zwischen Wahn und Sinn

Irgendwo zwischen Wahn und Sinn

Wunsch-Vision, Ausgangspunkt und Endstation eines Irrenarztes auf dem Weg in den Wahnsinn: So erscheint Wien in der russisch-österreichischen Koproduktion "Ragin". Der opulente Streifen basiert auf Anton Tschechows Erzählung "Krankenzimmer Nr. 6" aus dem Jahr 1892 und führt zurück an die Anfänge der Psychoanalyse.

Eine dramatisch-surreale Szene wie aus einem Albtraum: Ein nacktes, nur in ein Laken gehülltes junges Mädchen auf einem Stuhl wird von einem Arzt aufgefordert sich "anzustrengen", es presst und stöhnt. Aus der Leibschüssel zieht die Krankenschwester - eine lebende Kröte. Die sie freilich zuvor dort platziert hat. Das Mädchen weint vor Erleichterung, die Ränge des Hörsaals werden erleuchtet, Applaus, der Donauwalzer erklingt: Was wie eine spektakuläre Zaubershow anmutet, ist eine erfolgreiche Hysterie-Behandlung vor Publikum in der Wiener Universität zur Jahrhundertwende.

Wahnvorstellungen heilen, indem man sie - scheinbar - ernst nimmt: Die Kunde von den erstaunlichen neuen Wiener Behandlungs-Methoden dringt bis in die russische Provinz, wo Dr. Ragin als Leiter eines Kreiskrankenhauses mit bedrückenden hygienischen und moralischen Verhältnissen konfrontiert ist.

Im Krankenzimmer Nr. 6 der Holz-Blech-Baracke vor der Stadt, in der bei Regen das Wasser steht und die Krankenschwestern sich durch Liebesdienste ein Zubrot verdienen, sind die Verrückten untergebracht. Der "Trampler" etwa, der nie sein Dorf verlassen hat, im Geist aber durch Tarkowski'sche russische Weiten streift, der unter Verfolgungswahn leidende philosophische Gerichtsvollzieher, der sich für einen Mörder hält, oder ein anderer, der sich vor lauter Angst tot stellt.

Nach Wiener Vorbild will Ragin hier den Wahnsinn ausgehend von seinen seelischen Ursachen heilen, stößt mit seinen mitunter fragwürdigen Experimenten aber sowohl auf den Widerstand des Personals als auch mancher Patienten. Und verliert bei seinen Grenzgängen zwischen Wahn und Wirklichkeit schließlich selbst den Halt in der Realität und den Verstand.

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