Rad der Zeit

Dokumentation/ , D 2003
Geheimer Buddhisten-Ritus im Blickpunkt

Geheimer Buddhisten-Ritus im Blickpunkt

Der deutsche Regisseur Werner Herzog hat als erster Filmemacher die Erlaubnis des Dalai Lama, des geistigen Oberhaupts der tibetischen Buddhisten, erhalten, den früher geheimen Ritus "Kalachakra" mit seiner Kamera zu begleiten. Der Begriff "Kalachakra" bedeutet "Rad der Zeit" - daher auch der Titel von Herzogs Film.

"Kalachakra" ist der Name einer buddhistischen Gottheit, die verschiedene Aspekte des erleuchteten Gemüts repräsentiert, bezeichnet aber auch ein Ausbildungssystem und spirituelle Praktiken, die vom lebenden Buddha an seine Schüler weiter gegeben werden. Die Kalachakra-Initiation ist eines der wichtigsten Rituale des Buddhismus.

Eine halbe Million Pilger aus der ganzen Welt sind 2002 dem Aufruf des Dalai Lama gefolgt, unter seiner Leitung im indischen Dorf Bodh Gaya - jenem heiligen Ort, wo vor 2.500 Jahren der Königssohn Siddharta Gautama zu "Buddha", dem Erleuchteten, wurde - dem Kalachakra-Ritual beizuwohnen. Ziel dieses Ritus, zu dem Gebete, philosophische Debatten, Unterweisungen in die buddhistische Lehre und die Initiation (Einweihung) gehören, ist die Aktivierung eines Samens der Erleuchtung, der in allen Lebewesen schlummert. Der Höhepunkt des zwölftägigen Rituals ist die Herstellung des "Rades der Zeit" - eines farbigen Sandmandalas, das die Visualisierung einer heiligen Kosmografie darstellt, einer inneren Landschaft mit Gottheiten und spirituellen Symbolen. Am Ende des Ritus wird das Mandala zerstört, so dass nur die innere Vision bleibt.

In impressionistischen Bildern hält Herzog das bunte Treiben auf der religiösen Veranstaltung fest, Tänze, Gesänge, Gebete, Gesichter von in Meditation Versunkenen und Geschichten einzelner Pilger. Der Film fängt aber auch das Profane und Allzumenschliche ein, die aufwändigen Vorbereitungen für die Verpflegung der Massen etwa, das ehrgeizige Wetteifern der Mönche, das geschäftige Durchschleusen der Gläubigen vor dem fertigen Mandala oder die Gier bei der Verteilung von Geschenken im Rahmen der "Langes Leben"-Zeremonie, bei der es vorbei ist mit der sprichwörtlichen buddhistischen Gelassenheit.

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