Quellen des Lebens

Komödie/Drama, D 2013
Die BRD erträumt sich eine Gartenzwerg-Idylle

Die BRD erträumt sich eine Gartenzwerg-Idylle

Ein westdeutsches Panoptikum von 1949 bis in die späten 70er Jahre: Das ist Oskar Roehlers neuer Film "Quellen des Lebens", sein bisher wohl ambitioniertestes Werk. Ein dreistündiges Epos, das berührt und amüsiert.

Es ist eine Entwicklungsgeschichte, die zum Glück darauf verzichtet, historische "Tagesschau"-Momente einzubetten, wie es schlechtere TV- oder Kinoproduktion bestimmt tun würden. Roehlers Reise durch drei Jahrzehnte funktioniert als Generationen- und Gesellschaftsporträt einer untergegangenen Welt: der Bonner Republik. Der Regisseur Roehler zeigt ein Personen-Panorama in Stadt und Land: in Unterfranken, aber auch Nürnberg sowie in West-Berlin geht es um einen Russlandheimkehrer und Alt-Nazi, Trümmerfrauen, Trinker, Kommunistenhasser und 68er-Revoluzzer, scheiternde Künstler und versagende Eltern.

Erzählt wird - stark stilisiert - die Lebensgeschichte von Oskar Roehler selbst. Der heute 54-Jährige ist der Sohn der Schriftstellerin Gisela Elsner (1937 - 1992) und des Lektors Klaus Roehler (1929 - 2000). Im Film heißt er Robert und agiert schon vor seiner Geburt als Erzähler. Der Film zeige "ein Westdeutschland, das es so nicht mehr gibt", sagt Roehler - mit Schreibmaschinen, Gartenzwerg-Idylle und dem Sehnsuchtsland Italien. Es sei ihm darum gegangen, "Anekdoten zu erzählen". "Ich wollte ein reichhaltiges Kaleidoskop an Eindrücken schaffen." Das ist ihm gelungen.

Grundlage ist Roehlers autobiografischer Roman "Herkunft". Als Roehler drei Jahre alt war, verließ seine Mutter die Familie. Seine Retter wurden die Großeltern. Deren vier Rollen sind bester Stoff für Schauspieler: Margarita Broich begeistert als trinkende Nürnberger Villenbewohnerin, Thomas Heinze als konservativer Großbürger, Meret Becker und Jürgen Vogel übertreffen sich selbst als das andere Großelternpaar, Gartenzwergfabrikanten in der Provinz.

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