Prinzessinnenbad

Dokumentation/ , D 2007
Drei starke junge Frauen in Kreuzberg

Drei starke junge Frauen in Kreuzberg

Klara, Mina und Tanutscha leben in Berlin-Kreuzberg und verbringen fast jede freie Minute miteinander. Allerdings unterscheidet sich ihre Welt von der vieler Jugendlicher. Immerhin ist Kreuzberg einer der Problembezirke. Diese vertraute und gleichzeitig fremd wirkende Welt fängt Regisseurin Bettina Blümner in ihrem ersten langen Dokumentarfilm "Prinzessinnenbad" mit viel Respekt für ihre Hauptdarstellerinnen ein.

Dabei sind vor allem die drei Mädchen ein Glücksgriff. Offen und ungekünstelt geben sie über rund 90 Minuten einen überraschend ehrlichen Einblick in ihre Welt, erzählen von ihren Schwächen und Ängsten - und präsentieren sich gleichzeitig als drei starke junge Frauen, die sich bewundernswert gekonnt auf dem oft sehr rauen Kreuzberger Pflaster behaupten.

Auf den Mund gefallen sind die Mädchen nämlich nicht. "Ich bin jung, dynamisch und naiv", tut Klara selbstbewusst und ein wenig ironisch kund. Tanutscha setzt noch einen drauf: "Ich komm' aus Kreuzberg, du Muschi", faucht sie einem Unbekannten am Telefon entgegen, der angenommen hatte, sie käme aus dem gutbürgerlichen - und etwas spießigen - Bezirk Reinickendorf.

Tatsächlich aber spielt sich das ganze Leben der Mädchen in Kreuzberg ab: in den Parks, Bars und während der Sommermonate auch im titelgebenden Prinzenbad. Immer wieder fängt die Kamera in Totalaufnahmen Szenen aus diesem bunten Viertel ein. Gemütliche Cafes, italienische Feinkostläden, die laut ratternde U-Bahn und enge Straßen dominieren immer wieder die Szenerie. Diese Bilder sind zwar wie der Bezirk selbst oft schmuddelig, doch zusammen mit der pulsierenden HipHop- und Rockmusik des Soundtracks entsteht so eine Hommage an das urbane Leben allgemein und Kreuzberg im speziellen.

Es ist eine multikulturelle Gesellschaft, die Regisseurin Blümner hier porträtiert. Die Väter von Mina und Tanutscha sind Italiener beziehungsweise Iraner, der neue Freund von Minas Mutter ein Englisch sprechender Afro-Deutscher und Klara steht vor allem auf türkische und arabische Burschen. Deutsche sind der Blonden einfach zu langweilig.

Doch genau dieses Bild ist die einzige, kleine Schwachstelle des Films. Blümner romantisiert Kreuzberg und das Leben der Mädchen etwas zu sehr. Die Probleme der Jugendlichen in einer aggressiv-machohaften Welt, in der sie sich meist ohne Unterstützung der Eltern alleine behaupten müssen, werden fast ganz ausgeblendet. Auch die schwierigen Seiten eines Lebens in einer Multikulti-Gesellschaft sind kaum ein Thema.

Stattdessen wirkt diese Welt wie ein warmherziger und aufregender Kosmos - eben so, wie die Mädchen Klara, Mina und Tanutscha sie erleben. Für sie gibt es keine behindernden Grenzen zwischen den Kulturen, für sie gehört diese Vielfalt ganz natürlich zum Alltag. Allein deswegen ist "Prinzessinnenbad" einer der charmantesten Dokumentarfilme dieses Jahres. Auf der diesjährigen Berlinale gehörte das Werk in der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" daher auch zu den Publikumsfavoriten.

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