Postal

Action/Komödie, USA/CDN/D 2007
Al-Kaida-Scherze aus der untersten Schublade

Al-Kaida-Scherze aus der untersten Schublade

Der deutsche Regisseur Uwe Boll, der mit billig verfilmten Videospielen bekannt wurde, verspricht mit seinem neuen Film "Postal" eine Satire auf die Welt, von Präsident Bush und der Al-Kaida bis hin zum Zynismus der Medien. Am Ende geht es bei allem hehren Anspruch jedoch aus wie immer: Schießereien und Blut ohne Ende, garniert mit flachem bis geschmacklosem Humor.

Die Geschichte ist wirr und schnell erzählt. Ein notorischer Versager, einfach nur Dude ("der Typ") genannt, der in einem Wohnwagen-Park wohnt, verliert seinen Job, muss die Untreue seiner Frau verarbeiten und gerät völlig außer Kontrolle. Mit seinem Onkel Dave, der zur persönlichen Bereicherung eine Sekte betreibt und auch in finanziellen Schwierigkeiten steckt, plant er den Überfall auf einen Vergnügungspark deutscher Neonazis, um eine Ladung beliebter "Crotchy Dolls"-Püppchen zu erbeuten. Allerdings hat die Al-Kaida das gleiche vor, die Ereignisse überschlagen sich, und von da an knallt praktisch jeder jeden ab.

Mit Scherzen über Terror und Terroristen hat Boll sich die Vermarktung des Films erschwert - aber zugleich bekommt sein Streifen auch mehr Aufmerksamkeit als er es nach filmischer Qualität eigentlich verdient hätte. Mehrere Kinoketten in Deutschland, Großbritannien und den USA wollten "Postal" nicht haben, Radiosender lehnten massenweise Werbespots ab - womit Boll sich in Interviews als Opfer von Selbstzensur aus Angst vor Terroristen bezeichnen kann.

Dem Satire-Anspruch wird der Film nur selten gerecht. Die vielleicht schockierendste Szene ist eine, in der Kinder in einen Kugelhagel laufen. Boll selbst findet sie klasse; es sei ja ein Hollywood-Tabu, Kinder und Tiere in Filmen sterben zu lassen. "Wir haben denen Platz-Pakete an die Kleidung montiert. Das sieht alles aus wie echt", schwärmt er auf eine fast schon unheimliche Weise. Selbstironie kann man dem Regisseur immerhin nicht absprechen: In der Schießerei wird Boll, der sich selbst spielt, auch von einer Kugel getroffen und sinkt zu Boden mit den Worten: "Ich hasse Videospiele".

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