Porträt einer jungen Frau in Flammen

Historiendrama, Frankreich 2019

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Céline Sciamma erzählt eine feine Liebesgeschichte und formt zugleich ein kraftvolles, modernes Statement über die Situation der Frau über die Jahrhunderte hinweg.

Eine abgelegene Insel vor der Küste der Bretagne, Frankreich, im Jahr 1770. Die Pariser Malerin Marianne (Noémie Merlant) wurde in ein herrschaftliches Haus bestellt, um heimlich ein Porträt anzufertigen – von Héloïse (Adèle Haenel), die reich verheiratet werden soll. Die treibende Kraft dahinter: die Mutter (Valeria Golino) von Héloïse, eine verwitwete italienische Gräfin. Das Problem: Ihre adelige Tochter, die eben die Klosterschule verlassen hat, soll nach dem Selbstmord ihrer Schwester deren Platz einnehmen und heiraten. Doch das will Héloïse partout nicht und weigert sich, einem Maler Modell zu sitzen. Einen Künstler hat sie auf diese Weise bereits vergrault. Nun soll Marianne heimlich ein Porträt der aufmüpfigen jungen Frau malen, das dann an die potenziellen Heiratskandidaten verschifft wird. So wird die eine zur diskreten Beobachterin – und die andere nichtsahnend zu ihrem Modell. Aber Marianne plagt rasch das schlechte Gewissen – und mit ihrem ersten Porträt ist sie unzufrieden. Nur mühsam kommt Marianne der kühl anmutenden Héloise deshalb anfänglich näher. Und doch, ganz behutsam, erst tief versteckt, dann immer offensichtlicher, beginnt ein Herzensfeuer zu lodern, das die beiden Frauen einander Stück für Stück näherbringt. Blicke werden ausgetauscht, bald auch Berührungen. Eine tiefe Zuneigung entsteht. Schließlich gesteht Marianne Héloïse, dass sie sie malen soll. Als Héloïse Mutter verreist, sind die Frauen für einen kurzen Augenblick völlig frei von jeglicher Kontrolle. Kostbare Tage folgen …

Blicke des Begehrens

Ein historischer Ausflug, der mehr ist als nur ein Einblick in die Künstlerinnenbewegung des 18. Jahrhunderts. Dazu Regisseurin Céline Sciamma: „Der Film ist eine Liebesgeschichte und eine über Gleichheit, die so nie passieren würde, weil es um zwei Frauen geht. Also gibt es keine Geschlechterdominanz, keine intellektuelle Dominanz – und mit Hierarchien wird auch nicht gespielt.“

Porträt einer jungen Frau in Flammen von Céline Sciamma (Girlhood, Tomboy) – beim heurigen Festival von Cannes wurde das mit ruhiger Hand inszenierte Historiendrama gefeiert und gewann völlig zu Recht die Silberne Palme für das beste Skript. Außerdem eröffnete das Werk auch die diesjährige Viennale. Das Drama selbst entpuppt sich als wahrhaftiger Frauenfilm, in dem Männer kaum eine Rolle spielen – mit wenig Dialog, dafür besticht der Streifen mit fulminanten Darstellerinnen, ebensolchen Landschaftsaufnahmen und dichter Atmosphäre. Um in die bewusst entschleunigt erzählte Geschichte hineinzufinden, muss man sich darauf einlassen. Aber wem es gelingt, der wird belohnt – mit einem kleinen, feinsinnigen, malerischen und intensiv-sinnlichen Meisterwerk. Und mit so manch magischem Moment …

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