Planet der Affen: Survival

Action/Abenteuer, USA 2017

Der Krieg der Affen geht weiter

Regisseur Matt Reeves schuf mit dem dritten und vorläufig letzten Teil der Science-Fiction-Trilogie eine düster-komplexe Parabel über den Niedergang der Menschheit.

Mit ‚Planet der Affen‘ legte Regisseur Franklin J. Schaffner 1968 den Grundstein für eine der außergewöhnlichsten und kultigsten Science-Fiction-Filmserien überhaupt. In den nächsten fünf Jahren folgten vier Fortsetzungen, die die Qualität des Originals aber in keiner Weise erreichen konnten – und die Reihe rasch begruben. 2001 inszenierte Tim Burton zwar ein durchaus erfolgreiches Remake mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle, bei der Kritik fiel die nicht allzu originelle Neuerzählung jedoch durch. Mit ein Grund, weshalb das aktuellste Reboot von Rupert Wyatt vor sechs Jahren bei den meisten zunächst einmal Skepsis hervorrief.

In ‚Planet der Affen: Prevolution‘ (2011) – im Original ‚Rise of the Planet of the Apes‘ – ging es, kurz gesagt, um ein im Labor geschaffenes Virus, das die Menschheit von der Alzheimerkrankheit befreien sollte. Im Tierversuch zeigte sich, dass Schimpansen davon noch klüger wurden, als sie ohnehin schon sind. Aber während die klüger gewordenen Laborschimpansen unter der Führung von Caesar (im Motion-Capture-Anzug: Andy Serkis), des intelligentesten Primaten, fortan die Freiheit suchten, erwies sich das Virus für die Menschen als tödlich.

Die von Regisseur Matt Reeves (‚Cloverfield‘) inszenierte Fortsetzung ‚Planet der Affen: Revolution‘ (2014) – im Original ‚Dawn of the Planet of the Apes‘ – hebt entsprechend düster an: Die Menschheit ist fast ausgerottet, die Spezies existiert nur noch in kleinen, versprengten Siedlungen. In den Wäldern von Marin County haben die Affen indes ihre Kommune gegründet – und Caesar ist ihr Anführer. Eines Tages kommt es zum Kontakt mit den Menschen, die ein Wasserkraftwerk wieder in Betrieb setzen wollen. Doch schon bald nehmen Streit, Lügen und Intrigen überhand und zeitigen im Reich der Affen einen blutigen Machtkampf. Caesar will die Verständigung mit den Menschen, sein Gegenspieler Koba, der in den Jahren der Gefangenschaft fürchterlich gequält wurde, will den Krieg.

Im dritten und letzten Teil der Prequel-Trilogie ‚Planet der Affen: Survival‘ – im Original ‚War for the Planet of the Apes‘ ist der Konflikt zwischen den verfeindeten Affenstämmen fürs Erste zwar beendet, der Friede mit den verbliebenen Menschen scheint aber endgültig der Vergangenheit anzugehören. Es tobt ein unerbittlicher Krieg. Und als der fanatische namenlose Colonel (stark: Woody Harrelson) mit Soldaten in einer nächtlichen Aktion das Versteck der Affen attackiert und unter anderem Caesars Frau und Sohn ermordet, erliegt auch der bislang stets auf Vernunft und Gewaltlosigkeit plädierende Caesar seinen Rachegelüsten – und macht sich, begleitet von seinen treuesten Gefährten Maurice (Karin Konoval), Luca (Michael Adamthwaite) und Rocket (Terry Notary) auf die Suche nach dem Mörder seiner Liebsten …

Dass Regisseur Matt Reeves auch für den Abschluss der Trilogie höchste Ambitionen hatte, ist von Beginn an zu sehen. Schon beim Einstieg, wenn sich eine Truppe des Colonels an eine Festung der Affen heranpirscht, die tief in einem dichten Wald liegt, werden Erinnerungen an ‚Apocalypse Now‘ wach. Caesar und sein Volk leben abgeschottet, stellen eigentlich keine Gefahr für die Menschen dar, werden aber dennoch von den Soldaten gejagt. Nach dem schrecklichen Verlust begibt sich der fortan von Hass getriebene Anführer der Primaten, ähnlich dem Protagonisten in Francis Ford Coppolas Meisterwerk von 1979, direkt ins Herz der Finsternis, das sich hier als eine Art Konzentrationslager in einer düster verschneiten Berglandschaft entpuppt. Mit seinen Bildern von halb verhungerten Affen und Zwangsarbeit erinnert dieser trostlose Ort nicht zufällig an die Schrecken des Holocaust. Zudem erweist sich auch der von Woody Harrelson gespielte Colonel als entferntes Spiegelbild des durchgeknallten Apocalypse-Now-Antagonisten Kurtz, damals brillant verkörpert von Hollywood-Legende Marlon Brando. Dazu Regisseur Matt Reeves: „Ich wollte, dass dieser Film wie ein biblisches Epos rüberkommt. Also nahm ich mir vor allem visuell Filme wie ‚Die zehn Gebote‘, ‚Die Brücke am Kwai‘, ‚Patton‘ und ‚Apocalypse Now‘ zum Vorbild.“

Das pochende Herz der Geschichte ist und bleibt auch in diesem abschließenden Teil der ‚Planet der Affen‘-Prequel-Trilogie Caesar, der Anführer der Affen, der einmal mehr wie ein Löwe darum kämpft, sein Volk zu retten und in Sicherheit zu bringen. Im Verlauf der Trilogie mutiert Caesar schlicht zu einem der beeindruckendsten Helden der Filmgeschichte – was natürlich vor allem an Andy Serkis liegt, jenem Schauspieler, der auch schon ein fantastischer Gollum (in ‚Herr der Ringe‘) und ein großartiger ‚King Kong‘ in Peter Jacksons gleichnamiger Verfilmung war. Serkis ist nicht bloß ein menschlicher Platzhalter, der in ein Kostüm schlüpft oder dem Rechner sein Gesicht und ein paar Ausdrucksvarianten zur Verfügung stellt. Serkis spielt wirklich, er „verkörpert“ die Rolle im wahrsten Sinn – und wie aus dem eindrucksvollen Mienenspiel des Menschen Serkis das Mienenspiel des Affen Caesar wird, ist schlicht ein Wunder der modernen Tricktechnik, die seit dem Auftakt dieser Sci-Fi-Trilogie vor sechs Jahren gleich mehrere Quantensprünge erfahren hat. Serkis spielt den Affen geradezu oscarwürdig. Höchste Zeit, dass auch die Academy die Leistungen des Briten würdigt. Das findet auch sein amerikanischer Co-Star Woody Harrelson: „Andy Serkis ist derzeit zweifellos einer der besten Schauspieler der Welt!“

Fazit: Nach all dem oberflächlichen Sommerblockbuster-Getöse beschert uns Regisseur Matt Reeves mit ‚Planet der Affen: Survival‘ zum Abschluss der Sci-Fi-Trilogie eine eindringliche und faszinierend-düstere Parabel über die conditio humana. Hier geht’s ums Überleben, um Caesars innere Konflikte, nicht um Krieg. – In Summe ein grandioser Abschluss, der dieser Affen-Trilogie einen Ehrenplatz im Genre-Pantheon beschert.

Kinotipps
Kostümdrama mit Christoph Waltz als gehörntem Ehemann

Filmtipp: Tulpenfieber

Christoph Waltz und Alicia Vikander als ungleiches Ehepaar vor fast vier Jahrhunderten

Kinotipps
Begegnung zweier ungleicher Charaktere

Filmtipp: Hampstead Park - Aussicht auf Liebe

Verschuldete Diane Keaton verliebt sich in den Obdachlosen Brendan Gleeson

Kinotipps
Der Film erzählt vom Wiederfinden der Liebe

Filmtipp: Die Schlösser aus Sand

Findet ein Ex-Paar in der Bretagne wieder zueinander?

Kinotipps
Gregorys Geschäfte blühen

Filmtipp: Alibi.com

Start-up soll Männern bei Bedarf Alibis nach Maß verschaffen

Kinotipps
Ein Blick auf Saudi-Arabien abseits der hohen Politik

Filmtipp: Barakah Meets Barakah

Arabischer Ordnungsbeamter verknallt sich in fesche Videobloggerin

Kinotipps
Bunter Animationsfilm über eine skurrile Familie

Filmtipp: Happy Family

Coole Animation aus Deutschland: Familie wird in Gruselmonster verwandelt!