Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Abenteuer/Family, GB/USA 2016

Zauberer Scamanda hat ordentlich Stress mit phantastischen Tierwesen

Der Auftakt zu fünf neuen Filmen nach einem Hogwarts-Lehrbuch ist die feine Überraschung des Jahres: spannend, magisch und zauberhaft getrickst!

„Willkommen in New York!" Wenn der strenge Zollbeamte wüsste, wen er da gerade in den Big Apple des Jahres 1926 einreisen hat lassen, wäre er wohl nicht so gastfreundlich. Denn der etwas eingekrampfte junge Engländer namens Newt Scamander (Oscar-Preisträger Eddie Redmayne) ist erstens Magier und Tierforscher, der in den USA nach Zaubertieren aller Art suchen will. Und zweitens führt der ehemalige Schüler von Albus Dumbledore in seinem abgeschabten Koffer einige dieser teils possierlichen, teils recht bedrohlichen, insgesamt für die Welt der Muggels wenig geeigneten Kreaturen mit sich. Unvorstellbar, was passieren könnte, wenn da jemand ausbüxt ...

Muggel heißen in den USA No-Mags

Leider passiert aber genau das. Scamander stößt mit dem in einer Konservenfabrik arbeitenden Muggel (eigentlich heißen die Muggel hier in den USA eigentlich No-Mags, kurz für No Magics) Jacob Kowalski (Dan Fogler), einem verhinderten Konditor, zusammen. Der hat einen Koffer, der genauso aussieht wie der von Scamander, und kommt gerade betrübt von der Bank, wo er sich - vergeblich - einen Kredit für einen eigenen Bäckereiladen erhoffte.

Die US-Zaubereibehörde MACUSA muss eingreifen

Prompt hat Scamander plötzlich eine Tasche voller Mustergebäck in der Hand, während bei Jacob einige der magischen Tiere (darunter ein ziemlich diebisches Schnabeltier) entkommen. Als der Brite beginnt, die Tiere wieder einzufangen, muss er sich dabei dem tapsigen Bäcker als Zauberer offenbaren - ein schwerer Verstoß gegen die Regeln, der die hübsche, aber subalterne Porpetina „Tina“ Goldstein (Katherine Waterston), Mitarbeiterin der US-Zaubereibehörde Magical Congress of the United States of America, kurz MACUSA, auf den Plan ruft.

Welches unsichtbares Wesen greift New York an?

Bei MACUSA herrscht gerade Alarmstufe Rot: Das New York der Nicht-Magier wird nämlich von einer Reihe mächtiger Angriffe eines unsichtbaren Wesens erschüttert, das ganze Straßenzüge aufreißt und Häuser einstürzen lässt. Könnte eines von Scamanders entwischten Biestern dafür verantwortlich sein? Eine Theorie, die vor allem dem grimmigen MACUSA-Oberagenten Percival Graves (Colin Farrell) sehr gut gefällt. Er lässt Scamander, den er für einen Verräter hält, mit allen Mitteln jagen.

Newt bekommt Hilfe von Porpetina, Queenie und Bäcker Jacob

Würden nicht Porpetina, ihre sexy Schwester Queenie (‚A Fine Frenzy‘) und Bäcker Jacob unverbrüchlich an Newt Scamanders Seite stehen, sähe es bald sehr finster aus für den magischen Tierexperten und seine seltsamen, faszinierenden Wesen ...

‚Phantastische Tierwesen‘: Scamanders Lehrbuch für Hogwarts-Erstklassler

Die Fans wissen es sowieso, für alle anderen sei es noch mal gesagt: ‚Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind‘ ist ein Lehrbuch von Newt Scamander für Hogwarts-Erstklassler, das auch von Harry Potter benutzt wurde. Dieses magische Zoologiebuch ist auch für Muggel erwerbbar - darum hat Joanne K. Rowling 2001 eine „reale“ Ausgabe geschrieben und auf den Markt gebracht.

Insgesamt fünf neue ‚Harry Potter‘-Spin-offs, Rowling schreibt die Drehbücher

Das nur knapp über 60 Seiten dünne Bändchen soll also das Skelett für insgesamt fünf neue Teile (alle inszeniert vom einschlägig erfahrenen David Yates) eines Harry Potter-Spin-offs sein, die bis 2022 Kinobetreiber, Warner Bros, Rowling (die höchstpersönlich alle Drehbücher schreibt) und natürlich die Fans gleichermaßen glücklich machen soll?

Applaus für ‚Phantastische Tierwesen‘!

Klingt schwer vorstellbar, aber nach zwei Stunden des ersten Films muss man applaudieren. ‚Fantastic Beasts and where to find them‘ (so der Originaltitel) ist eine der wirklich angenehmen Überraschungen dieses an Enttäuschungen überreichen Kinojahres 2016. Zunächst ein kleiner Hinweis an die Eltern: David Yates, der schon die letzten vier ‚Harry Potter‘-Filme zunehmend dunkler, erwachsener und hart inszenierte, hat auch hier keinen Kinderfilm geschaffen. Ganz kleine Magie-Fans könnten sich ganz schön fürchten - also bitte gut überlegen, mit wem man ins Kino geht.

Schräge Figuren, schönstes New York der 1920er-Jahre seit ‚Der Pate 2‘

Das Setting ist trotz der schrägen Figuren Newt Scamander (von Eddie Redmayne einen Hauch übertrieben gespielt) und Jacob Kowalski wunderbar realistisch. Seit ‚Der Pate 2‘ und Es war einmal in Amerika wurde das New York der späten 1920er-Jahre nicht mehr so perfekt dargestellt. Gäbe es nicht zwischendurch die Magie, es würde kaum verwundern, tauchten plötzlich der junge Vito Corleone, Noodles Aaronson oder FBI-Fahnder Eliot Ness auf Dienstreise unter der Brooklyn Bridge auf.

Zeitreise mit genialen Effekten und viel Handlung

Ergänzt wird diese Zeitreise durch digitale Effekte, die wirklich der allerletzte Schrei sind; groß ist die Versuchung, in diesem Zusammenhang (platt) von Trickmagiern zu sprechen. Die Geschichte selbst ist auf Zug erzählt; die einzige Schwäche, die sich Neo-Drehbuchautorin Joanne K. Rowling leistet, sind manchmal zu viele parallel laufende Handlungsstränge. Vor allem jene rund um den grimmigen Zeitungs-Magnaten Henry Shaw Senior (John Voight), dessen politische Ambitionen und seine beiden ungleichen Söhne, tragen in diesem Film nicht allzu viel Verbindliches zur Handlung bei - es ist allerdings anzunehmen, dass sie in den kommenden Filmen, die einen Zeitbogen bis 1945 schlagen, noch eine wichtige Rolle haben und einfach eingeführt werden mussten

Versöhnliches Ende dank zarter Love-Story

Ein guter Kniff ist die zart-ungleiche Liebesgeschichte zwischen Jacob und Queenie, die ein versöhnliches Ende bringt, das auch kritische Erwachsene mit einem zufriedenen Lächeln aus dem Kino gehen lässt. Die einzige Frage, die sich nun noch stellt: Schafft es ‚Phantastische Tierwesen und wo man sie findet‘, ebenfalls die Milliardengrenze beim Einspiel zu knacken?

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