Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

Fantasy, USA 2018

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen

In Grindelwalds Verbrechen will ein Bösewicht (Johnny Depp) den Frieden zwischen Zauberern und Nicht-Zauberern zerstören. Mit Jude Law als jungem Dumbledore.

Vor zwei Jahren waren die Harry-Potter-Fans aller Altersstufen noch skeptisch: Kann ein Ableger der als Buch und Film kultisch verehrten magischen Reihe wirklich den nötigen Zauber aufbringen, um in diese Fußstapfen zu passen? Zu allem Überfluss hatten sich Warner Bros und Potter-Mama J. K. Rowling ein schmales Hogwarts-Lehrbuch als Ausgangspunkt ausgesucht und keine Figur des Zauberlehrling-Universums. Doch 800 Einspiel-Millionen und durchgängig positive Reaktionen auf Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind später ist alles in trockenen Tüchern. Fünf Filme werden die Abenteuer des Lehrbuch-Verfassers Newt Scamander umfassen. Und darum geht es in Teil 2:

Hogwarts und Paris

Lange hat die Haft des im ersten Film entlarvten und festgenommenen Magier-Böslings Gellert Grindelwald (Johnny Depp) nicht gedauert. In New York wird er von seinen Anhängern in einer spektakulären Aktion befreit, das Zauberministerium ist außer sich. Denn es gibt nur einen Magier, der ihm entgegentreten könnte: Albus Dumbledore (Jude Law), der in Hogwarts als Dozent Verteidigung gegen schwarze Künste lehrt. Doch Dumbledore muss das herrische Ansinnen der Zauberbürokraten ablehnen. Aus Gründen, die er für sich behält, kann er nicht gegen Grindelwald, der sich durch ein paar schnelle, völlig gewissenlose Morde ein kleines Palais in Paris angeeignet hat, antreten. Für ihn gibt es nur einen Mann, der dem weißhaarigen Bösewicht gewachsen ist: Newt Scamander (Eddie Redmayne). Doch auf den haben die Beamten wegen der Vorfälle in Film 1 einen Grant und ihn mit einem Reiseverbot belegt. Dass ausgerechnet Newts Bruder Theseus (Callum Turner) in diesem Ministerium arbeitet, ebenso wie dessen Verlobte Leta Lestrange (Zoë Kravitz), macht die Sache für den etwas tapsigen Newt nicht einfacher. Denn auch ihm hat Leta einst sehr viel bedeutet. Wie überhaupt die Vergangenheit und die Liebe ganz große Rollen dabei spielen, Gellert Grindelwald auf die Spur zu kommen: das Verhältnis von Dumbledore zum Zauberkriminellen, der schon aus Teil eins bekannte mysteriöse Credence (Ezra Miller), der nach seinen Wurzeln sucht – und natürlich Newt Scamanders magische Freundinnen Tina (Katherine Waterston) und Queenie Goldstein (Alison Sudol) samt dem fluffigen Nicht-Zauberer Jacob Kowalski (Dan Fogler). Letzterer ist von Quennie mit einem Liebeszauber belegt, dabei würde er die großartige Blondine auch ohne magische Nachhilfe sofort heiraten. Und natürlich hat Newt Scamander wieder jede Menge fantastischer Tierwesen in seinem magischen Koffer; neue Biester und alte Bekannte wie den glitzerzeugsüchtigen Niffler.

Alles zusammen eine in sich eher inhomogene Truppe, wenn es darum geht, den finsteren Vorgänger Lord Voldemorts unschädlich zu machen. Denn der hat in Paris nichts anderes im Sinn, als seine Anhänger um sich zu scharen und die Welt an die Vorherrschaft der reinblütigen Magier auszuliefern. Ein Puzzlestein, den er dazu benötigt, ist eben der geheimnisvolle Credence. Und auf seinem Weg zur Macht kann er mehr Magierinnen und Magier von sich überzeugen, als Dumbledore, Scamander und Kowalski lieb sein kann ...

Gut gezaubert

Es ist faszinierend, was passieren kann, wenn eine filmisch denkende Bestsellerautorin, die ihr Werk nicht an Studio und anonyme Drehbuchautoren-Kollektive verkaufte, sondern die völlige Kontrolle über ihr geliebtes Universum behielt, und ein magieerfahrener Regisseur wie David Yates zusammenarbeiten. J. K. Rowling hat aus dem titelspendenden Schulbuch eine völlig neue, den Harry-Potter-Geschichten nicht nachstehende Zaubererwelt mit großartigen Figuren geschaffen, die allesamt einen fetten Löffel Hogwarts-DNA in sich tragen. Tatsächlich werden die älteren Potter-Fans aufjubeln, wenn die Zauberschule (samt Potter-Score) auftaucht. Und weil diese Sequenzen mit einem großartigen Jude Law als jungem Dumbledore völlig unverzichtbar für die Geschichte an sich sind, ist es weit mehr als eingebaute Fan-Befriedigung. Ein Kunststück, das sich durch den gesamten Film zieht. Im Gegensatz zu Teil eins wird die Tonalität spürbar dunkler. Die Handlung spielt in den 1930er-Jahren, auch der Zweite Weltkrieg, von den Magiern geahnt, wirft seine Schatten voraus. Der Film hat grausame Momente bis zum Kindermord – Rowlings Welt ist, obwohl ein halbes Jahrhundert vor Potter angesiedelt, erwachsen geworden. Die Darsteller glänzen allesamt. Eddie Redmayne geht ebenso auf in seiner Rolle als schusseliger, stets verlegen wirkender Ex-Zauberschüler wie Johnny Depp als Bösewicht. Obwohl wegen seiner privaten Probleme umstritten, zeigt Depp hier, dass er weitaus mehr sein kann als der stets augenzwinkernde Charmebolzen, sei es als Pirat oder Vampir. Einfach eiskalt und böse sein, das steht ihm gut. Und Regisseur Yates wiederum, der die letzten Potter-Filme inszenierte, übersetzt diese Welt, die Geschichte und das Spiel in Bilder, die maßstabsetzend sind. Nicht nur bei Effekten, auch bei Ausstattung, Kostümen, Hintergründen. Genau so müssen historische Filme aussehen.

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