Periferic

Drama, RO 2010
Harte Realitäten

Harte Realitäten

24 Stunden Gefängnisfreigang wurden Matilda gewährt. 24 Stunden, in der sie mit ihrer Vergangenheit abschließen und ein neues Leben beginnen will. Die bewegende rumänisch-österreichische Koproduktion "Periferic" des Regisseurs Bogdan George Apetri kommt nun ins Kino.

Mehr als zwei Jahre sitzt Matilda schon im Gefängnis, drei Jahre hat sie noch vor sich. Für die Beerdigung ihrer Mutter wird ihr ein Tag Freigang gewährt, doch dabei soll es nicht bleiben. Ihr Entschluss: Über die Grenze und mit dem Schiff in ein besseres Leben. Doch davor muss sie sich mit Menschen aus ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. Von ihrem Bruder Andrei (Andi Vasluianu) will sie nicht nur eine Mitfahrgelegenheit zur Beerdigung, sondern vor allem Verständnis. Das wird ihr jedoch weder von ihm noch von dem Rest ihrer Familie entgegengebracht, die sie wie eine nestverschmutzende Außenseiterin beäugen.

Nicht Verständnis, sondern Geld erwartet sich Matilda von ihrem ehemaligen Liebhaber Paul (Mimi Branescu), mit dem sie noch eine Rechnung offen hat. Der aggressive, kühle Umgang zwischen den beiden lässt nur erahnen, in welchem Abhängigkeitsverhältnis Matilda einst zu ihm stand. Der letzte und wichtigste Weg vor der Flucht führt sie jedoch zum achtjährigen Toma (Timotei Duma) - ihrem Sohn, ebenso zerbrochen, verzweifelt und einsam wie seine Mutter.

Langsam und schrittweise erfahren wir im Laufe des Films mehr über Matilda. Ausgesprochen und direkt geklärt wird dabei nichts. Allein dadurch, wie Matildas Umfeld auf sie reagiert, und wie sie mit den Menschen um sich herum agiert, kann der Kinozuseher Schlüsse auf das Schicksal dieser jungen Frau ziehen. Die Hoffnung liegt weit über dem Ozean, ihr derzeitiger Platz am ärmlichen Stadtrand, am Rand der Gesellschaft. "Periferic" zeigt gänzlich unsentimental, ohne Kitsch oder überzogene Gefühle, das triste Leben, Umfeld und Innenleben einer kühlen Protagonistin, die sich ein besseres Leben erhofft - auch für ihren Sohn.

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