Pasolini

Drama, F/I/B 2014

Der letzte Tag im Leben des Enfant terrible Pier Paolo Pasolini

Ein Enfant terrible erzählt über ein anderes Enfant terrible: Mit "Pasolini" liefert US-Autorenfilmer Abel Ferrara eine überraschend stringente Arbeit ab. Darin beschreibt er - basierend auf detaillierter Recherche - den letzten Tag im Leben des italienischen Filmpoeten.

Es sind Eindrücke von Interviews, dem Lesen, von Begegnungen mit Freunden oder dem Gespräch mit der Mutter. Im Zentrum steht dabei die schauspielerische Meisterleistung von Willem Dafoe. Bei der Viennale 2014, wo Ferrara bereits seinen Film vorstellte, gestand der Regisseur seine Verehrung für den italienischen Poeten und Filmemacher.

"Er war immer jener Filmemacher, der wir irgendwann sein wollten", erzählte Ferrara im Anschluss an die Vorführung des Films, der die letzten Stunden von Pier Paolo Pasolini vor seiner Ermordung vor 40 Jahren schildert. "Für uns war sein Tod wie für andere jener von James Dean", erklärte Ferrara seine Verbundenheit mit Leben und Werk des legendären Künstlers ("Salo oder die 120 Tage von Sodom").

Dafoe liefert in dem Werk eine außergewöhnliche Darbietung, wie auch sein Regisseur nach der vierten Zusammenarbeit mit dem Hollywoodstar bestätigte. Ferrara hatte unmittelbar davor mit Gerard Depardieu in "Welcome to New York" die Sex-Affäre des ehemaligen Währungsfonds-Chefs Dominique Strauss-Kahn verfilmt. Beide Arbeiten drehten sich letztendlich nicht um die Kontroversen, sondern die persönlichen Aspekte, sagte Ferrara.

Der Amerikaner, der in Los Angeles nach eigenen Angaben seine Lektion gelernt hat und mittlerweile in Rom lebt, verzichtet in "Pasolini" wie gewohnt auf eine stringente Erzählung, bleibt aber dennoch deutlich stärker fokussiert als in vergangenen Arbeiten. Auf mehreren Narrationsebenen wird Pasolini zwischen Arbeit, Leben und Lust als politischer und intellektueller Autor in einem homosexuellenfeindlichem Umfeld gezeichnet.

"Er war ein Aktivist auf jeder Ebene", zollte Ferrara dem kommunistischen Filmemacher Bewunderung. Pasolini habe gezeigt, dass eine Person den Unterschied ausmachen könne. "Er hat das gelebt, nicht nur darüber gesprochen." Den Film selbst, der ausschließlich europäisch finanziert ist, will er als "Erlebnis" wahrgenommen wissen.

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