Parada

Komödie/Drama, SRB/D/H 2011
Ein Blick ins bunte Serbien

Ein Blick ins bunte Serbien

Die Paraden der Schwulen anlässlich des Christopher Street Days sind in Westeuropa und den USA touristischer Alltag. In anderen Ländern müssen Homosexuelle um ihr Leben fürchten. "Parada" zeigt mit schrillem Witz die Lage in Serbien.

Ein greller schwuler Umzug im Stil des Christopher Street Days in Belgrad? Unvorstellbar! Gegen diese gesellschaftliche Tatsache geht die schrille Komödie "Parada" mit scharfem Witz an. Regisseur Srdan Dragojevic lässt ausgerechnet einen homosexuellen Aktivisten und einen homophoben Ex-Gangster aufeinandertreffen, um einen schrillen Straßenumzug von Schwulen zu organisieren und zu beschützen.

Während hierzulande Künstler, Politiker und Intellektuelle mit einem offenen schwulen Lebensstil wesentlich zur Liberalisierung beigetragen haben, müssen sich Homosexuelle in vielen Ländern nach wie vor verstecken. Es gibt Staaten, in denen sogar die Todesstrafe auf Homosexualität steht, in vielen anderen drohen lange Haftzeiten im Gefängnis. Dazu kommt die offene, von brutaler Gewalt begleitete Diskriminierung im Alltag. So ist es auch in Serbien.

Im Herbst 2010 wurden Teilnehmer einer Schwulen-Parade in Belgrad von politisch rechten Schlägertrupps angegriffen. Zunächst gab es Rufe wie "Tod den Homosexuellen", dann wurden Molotowcocktails, Steine und Flaschen geworfen. Mehr als 140 Menschen wurden verletzt. Die offiziellen Bekundungen der Regierenden zu Toleranz haben an der schwulenfeindlichen Stimmung im Land wenig geändert.

Die absurde Filmstory stellt Tierarzt Radmilo (Milos Samolov) und Ex-Gangster Limun (Nikola Kojo) ins Zentrum. Limun ist Radmilo verpflichtet, weil der seinen Hund gerettet hat. Gemäß seinen Vorstellungen von Ehre muss Limun, jetzt Chef einer Sicherheitsfirma, eine Schutztruppe für die von Radmilos Freund Mirko (Goran Jevtic) organisierte Gay-Pride-Parade aufstellen. Doch dem stehen Dummheit und Intoleranz gegenüber. Limun hat keine andere Wahl, als buchstäblich handfest zu argumentieren. Das Chaos ist also programmiert.

Für Zuschauer, die sich der in Westeuropa und den USA üblichen "Political Correctness" verpflichtet fühlen, dürfte der Film eine Zumutung sein. Denn hier wird nicht in Demut verhandelt, hier wird mit den Mitteln der überzogenen Satire eiskalt zurückgeschlagen. Dabei zeigt sich, dass es sehr überzeugend sein kann, wenn Dummheit und Gewalt mit Klamauk niedergerungen werden.

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