Palermo Shooting

Drama, D/F/I 2008
Fotograf Finn möchte in Palermo neu beginnen

Fotograf Finn möchte in Palermo neu beginnen

Wim Wenders beschäftigt sich in seinem Film "Palermo Shooting" nicht mit der Mafia oder der Politik. Im Mittelpunkt der Story steht ein Fotograf, dessen Existenz aus den Fugen gerät und der nach Palermo reist, um ein neues Leben zu beginnen. Tote Hosen-Sänger Campino gibt sein Kinodebüt als Hauptdarsteller. Der Film lief 2008 als Beitrag im Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes.

Das Leben des Düsseldorfer Fotografen Finn (Campino) ist hektisch, oberflächlich und beziehungslos. Er sieht keine echten Bilder mehr, sondern gestaltet sie am Computer um. Nachts quälen ihn Albträume. Nach einer Beinahe-Kollision mit einem Geisterfahrer beginnt Finn an seinem bisherigen Leben zu zweifeln. Er macht noch ein letztes Modeshooting (mit der hochschwangeren Milla Jovovich) in Palermo und beschließt, in der sizilianischen Stadt zu bleiben, um neu zu beginnen.

Dort begegnet Finn dem Tod - nicht nur in der Architektur und Kunst der Stadt. Ein rätselhafter Mann schießt Pfeile auf ihn ab und versetzt ihn in Todesangst. Mit der Hilfe einer Restauratorin (Giovanna Mezzogiorno) sucht Finn den Bogenschützen und begegnet dem leibhaftigen Tod: dem "Pfeil, der aus der Zukunft auf dich zufliegt". Dennis Hopper verkörpert den Tod zerbrechlich und leise.

Der Film ist ein philosophischer Thriller. Er rockt zuerst, schlägt dann sehr leise Töne an und stellt letzte, spirituelle Fragen. Campino ist zwar kein großer Schauspieler, aber er stapft völlig authentisch und lässig durch die Bilder. Man merkt ihm an, dass auch er Exzesse kennt, Grenzen erfahren hat und reifer geworden ist.    

Der Soundtrack von Lou Reed bis hin zu bearbeiteten Bach-Arien ist wie bei allen Wenders-Filmen ein Meisterwerk für sich. Der Regisseur und sein Kameramann Franz Lustig fangen die Handlung wieder in satten, traumhaft schönen Bildern ein, die über einige Längen hinwegtrösten. Manchmal wirken auch die eingesprochenen Gedanken von Finn ein wenig prätentiös und in ihrer Botschaft allzu plakativ. Doch die Essenz des Films berührt und hallt in ihrer Ernsthaftigkeit lange nach.

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