Once Upon a Time in Hollywood

Komödie, USA, Großbritannien 2019

Once Upon a Time... in Hollywood

Quentin Tarantinos neunter (und vielleicht letzter) Film entpuppt sich als meisterhaft gefilmte Liebeserklärung an ein Hollywood aus vergangenen Tagen und überzeugt vor allem durch witzige Dialoge und das oscarreife Schauspiel von Leonardo DiCaprio, Brad Pitt und Margot Robbie.

56 Jahre alt ist Quentin Tarantino mittlerweile. Was für viele kein Problem ist und auch ihn nicht wirklich zu beeinträchtigen scheint, beschäftigt den Regisseur aber schon länger. Mit 60 – so hat er noch vor ein paar Jahren behauptet – beendet er seine Karriere als Regisseur und Filmemacher, um sich anderen Dingen zu widmen. Bücher über seine Arbeit, filmwissenschaftliche Thesen und jede Menge andere hilfreiche Lehrwerke will er in den nächsten Jahren verfassen. Das Alter des Filmemachers und gleichzeitig auch Once Upon a Time in Hollywood bekommen plötzlich eine ganz andere Bedeutung, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei vielleicht um Tarantinos letzten Film handelt.

Hollywood 1969

Die Straßen sind voll mit Hippies, die sich per Anhalter durch das bunte und immer sonnige Los Angeles kutschieren lassen, die Filmlandschaft ist geprägt von zunehmend schwererer Kost und Realismus. Während die Amerikaner vom Vietnamkrieg wachgerüttelt werden, nimmt das sogenannte New-Hollywood-Kino überhand. Ein Umbruch findet statt. Ein Umbruch, der nicht die neue, aufsteigende Generation Schauspieler wie Sharon Tate betrifft, sondern jene, die noch vor wenigen Jahren die Helden der amerikanischen Wohnzimmer gewesen sind und jetzt immer mehr in Vergessenheit geraten: die Cowboys und Schurken der in den 50ern so beliebten TV-Western.

Schauspieler Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) hat Schwierigkeiten, mit der neuen Realität klarzukommen, und sehnt sich nach den Zeiten zurück, als er noch als TV-Publikumsliebling in Hit-Serien wie „Bounty Law“ sein Schauspiel vorführen konnte. Sein jahrelanges Stuntdouble und bester Freund Cliff Booth, der nebenbei für den Tod seiner Frau verantwortlich gemacht wird, führte ohnehin immer ein bescheideneres Leben als Dalton und spielt für seinen Freund das Mädchen für alles. Als Dalton vor die Herausforderung gestellt wird, in einem letzten und karriereabhängigen Versuch sein schauspielerisches Können in der neuen Hit-Serie „Lancer“ zu beweisen, Sharon Tate mit ihrem Mann, Regisseur Roman Polanski, nebenan einzieht und Cliff mit der berüchtigten Manson-Family zu tun bekommt, nehmen Dinge eine spannende und letztlich unerwartete Wendung ...

Kein Crowd-Pleaser

Once Upon a Time in Hollywood strahlt jede Menge Nostalgie und Ästhetik aus. Den Figuren durch die Hippie-belagerten Straßen von Los Angeles zu folgen, hat womöglich noch nie so sehr Eindruck gemacht wie hier. Und auch wenn sich heutzutage leider zu viele Unterhaltungsmedien, gerade im Bewegtbild-Bereich, des Settings der 60er, 70er und vor allem 80er Jahre bedienen, um auf der Welle der zunehmenden Sehnsucht nach vergangenen Zeiten zu reiten, wirkt Tarantinos Nostalgie-Trip bei weitem nicht so aufmerksamkeitsgeil wie einige andere Werke (Bumblebee, ES oder Stranger Things) aus jüngerer Vergangenheit. Tarantino wirkt dem Kommerz-Trend entgegen und hat sich bewusst entschieden, einen Film zu schaffen, der von außen vielleicht die Massen anspricht, sie nach dem Ansehen aber vielleicht verblüfft zurücklässt. Once Upon a Time in Hollywood soll kein „Crowd-Pleaser“, sondern eine Liebeserklärung und ein Nachruf an die rückblickend vielleicht kreativste Ära Hollywoods sein.

Ein würdiger Abschied?

Ob Once Upon a Time in Hollywood tatsächlich Tarantinos letzter Film ist, weiß letztendlich nur er selbst. Genug Projekte gäbe es für ihn schließlich. Von einem Star-Trek-Film oder einem dritten und abschließenden Film in der „Django-Inglourious Basterds“-Trilogie war bereits die Rede. Klar ist aber, dass er wahrscheinlich Quentin Tarantinos schönster Film ist. Und „schön“ muss nicht gleich „schön“ nach Tarantino-Standards sein. Das hieße eine Menge meisterhaft überinszenierte Gewalt mit brutalen Stunts und morbidem Humor (wie etwa in Kill Bill, Inglourious Basterds oder Django Unchained). Doch überraschenderweise sind es genau diese Dinge, die hier nur sehr wenig vorkommen, was Tarantino-Fans enttäuschen könnte.

Das Schauspiel des phänomenalen Casts gleicht das aber gekonnt aus. Sei es Sharon Tate (Margot Robbie), die sich ein breites und erfüllendes Grinsen kaum verkneifen kann, als sie die lachenden und fröhlichen Reaktionen der Kinobesucher auf ihre Rolle in einer Vorstellung von „The Wrecking Crew“ mitbekommt, oder Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), der auf das Lob seines altklugen achtjährigen Co-Stars hin nicht anders kann, als Freudentränen zu vergießen. Auch Brad Pitt liefert hier mit seiner Darstellung von Stuntman Cliff Booth eine seiner besten Performances ab.

Ob das enttäuschend ist, muss am Ende jeder für sich selbst entscheiden. Es ist aber mehr als offensichtlich, dass Tarantino mit Once Upon a Time in Hollywood einen zeitlosen Einblick in ein längst geschlossenes Kapitel der Filmfabrik geschaffen hat und seine Liebe für Film und Hollywood einmal mehr auf der Leinwand zementiert.

Kinotipps
Late Night - Die Show ihres Lebens

Late Night – Die Show ihres Lebens [KINOTIPP]

Junge TV-Autorin Mindy Kaling soll frischen Wind in die eingerostete Sendung von Talkshow-Legende Emma Thompson bringen

Kinotipps
Okko's Inn: The Movie

Okko’s Inn [KINOTIPP]

Nach einem Autounfall hat die kleine Okko nicht nur ihre Eltern verloren, sondern kann fortan mit Geistern sprechen – mit ...

Kinotipps
Angel has fallen

Angel Has Fallen [KINOTIPP]

In seinem dritten Abenteuer, wird Secret-Service-Agent Mike Banning (Gerard Butler) ein Anschlag auf den US-Präsidenten ...

Kinotipps
Little Monsters

Little Monsters [KINOTIPP]

Lehrerin Lupita Nyong’o muss sich während eines Schulausflugs vor Verehrern und Zombies in Acht nehmen

Kinotipps
Crawl

Crawl [KINOTIPP]

Horror-Ass Alexandre Aja beschert uns einen flotten Reißer um zwei Menschen im Clinch mit einem Alligator

Kinotipps
Systemsprenger

Systemsprenger [KINOTIPP]

9-jähriges Mädchen wird an Pflegefamilien abgegeben, sehnt sich aber klarerweise nach der Geborgenheit ihrer leiblichen Mutter