Notre Musique

Drama/ , F/CH 2004
Philosophische Bild-Text-Orgie vom Altmeister

Philosophische Bild-Text-Orgie vom Altmeister

Eine junge Israelin, eine französische Jüdin mit russischen Wurzeln, ein palästinensischer Dichter und andere reisen nach Sarajevo zu einer literarischen Konferenz - unter ihnen befindet sich auch Jean-Luc Godard. Das ehemalige Aushängeschild der Nouvelle Vague schuf mit "Notre Musique" einen assoziativen philosophischen Experimentalfilm zwischen Stimmen, Zitaten und visuellen Formen.

Das Gewirr der Sprachen und Bilder ist die Musik des Films: "Notre Musique" - eine assoziative Bewegung zwischen historischen Ereignissen, ein Brückenschlag von Homer bis in die moderne Medienwelt, schreibt Bert Rebhandl in einem dem Filmstart beiligenden Text. Die dreiteilige Struktur des Films ist Dantes Göttlicher Komödie entlehnt: Hölle-Fegefeuer-Paradies.

Die Hölle besteht aus Bildern der Destruktion. Godard sammelt, was die Filmgeschichte und Fernseharchive von den Greueln überliefert haben. Er verwendet Ausschnitte aus Spiel- und Dokumentarfilmen, aus Nachrichten und Informationssendungen. Die Chaossymbolik des biblischen Schöpfungsberichts schlägt im Verlauf der Weltgeschichte immer wieder durch. Die Hölle endet mit dem Bild junger Frauen in Sarajevo. Überlebender Frauen.

Das Pathos dieser Eröffnung bricht Godard dann im Fegefeuer. Es geht ihm um das Gegenteil zur Propaganda. Sein Kino ist im Lauf der Jahre immer vielstimmiger geworden. Menschen sprechen in unterschiedlichen Sprachen miteinander. Godard hat am Rande einer literarischen Veranstaltung gedreht, zu der er selbst neben Juan Goytisolo oder dem palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish nach Sarajevo eingeladen war.

Das "Paradies" ist überliefert nur auf einem privaten Film von einer der Studentinnen, auf einem Video, das sie hinterlässt. Hier deutet sich an, dass es diese anderen Bildern geben könnte, die nicht einer Ordnung der Besitznahme angehören, sondern von der Freiheit der Imagination berichten, vor der Godard angesichts der Dokumente der Geschichte zurückschreckt. Aber der "Garten" in diesem dritten Teil steht unter dem Schutz von amerikanischen Marines, die zwar so erscheinen, als wären sie "verwandelt" worden - die Waffen tragen sie aber immer noch....

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