Nordwand

Abenteuer/Drama, D/CH/A 2008
Gescheiterte Erstbezwingung der Eiger Nordwand

Gescheiterte Erstbezwingung der Eiger Nordwand

"Der Untergang" gewährte Einblick in die letzten Tage im Führerbunker, "Der Baader Meinhof Komplex" holte die Bluttaten der Roten Armee Fraktion auf die Leinwand. Mit "Nordwand" bringt Regisseur Philipp Stölzl eine weitere wahre Geschichts-Episode über die Tragödie der 1936 gescheiterten Erstbezwingung der Eiger Nordwand, die einst die Nation bewegte, ins Kino.

Nicht nur, weil 1938 der "Ostmärker" Heinrich Harrer mit Kollegen das erste Mal das 1.800 Meter hohe, fast senkrechte "letzte Problem der Westalpen" bezwingen konnte, ist die Eiger-Nordwand, die für viele Bergsteiger zur "Mordwand" wurde, auch eine österreichische Angelegenheit. Die österreichisch-deutsch-schweizerische Koproduktion, die passender Weise auf der Piazza Grande in Locarno ihre Uraufführung feierte, bringt auch den nationalen Konflikt im Vorfeld des "Anschlusses" auf die Leinwand: In der Wand konkurrieren eine deutsche Seilschaft (Benno Fürmann und Florian Lukas spielen die historischen Vorbilder Toni Kurz und Andi Hinterstoisser) und ein österreichisches Kletter-Duo (Simon Schwarz und Georg Friedrich in den Rollen von Willy Angerer und Edi Rainer), im Nobelhotel in Sichtweite des Dramas kreuzen unterdessen ein Wiener Industrieller (gespielt von Erwin Steinhauer) und ein schneidiger, linientreuer deutscher Reporter (Ulrich Tukur, dem Original-Sätze des Nazi-Propagandisten Robert Ley in den Mund gelegt wurden) beim Abendessen verbal die Klingen.

Regisseur Stölzl  ist es gelungen, das dramatische Ringen mit dem Tod in der sturmumtosten Wand in schmerzhafter Eindringlichkeit und Ausführlichkeit großformatig ins Bild zu rücken und gleichzeitig die Zeitstimmung und den ideologischen Missbrauch der naiven Naturburschen als sichtbare Beweise des neuen Herrenmenschentums begreifbar zu machen. Dort werden jene Geschehnisse, bei denen man dank Handkameras und Dreharbeiten am Originalschauplatz unter schwierigsten Wetterbedingungen buchstäblich live dabei sein kann, sofort der publizistischen und politischen Ausschlachtung zugeführt.

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