No Name City

/ , A 2006

In TV und Kino finden: Florian Flicker

Westernspektakel am Rande Wiens

Westernspektakel am Rande Wiens

Mit Florian Flickers Dokumentation "No Name City" ist heuer die "Diagonale" eröffnet worden. War es dem Festival ein Anliegen, die Kluft zwischen Kommerz- und Kunstfilm ein wenig zu schließen, so thematisierte Flicker auch das Phänomen des wirtschaftlichen Erfolgs - allerdings anhand dessen Verlierer.

Die Dokumentation beginnt wie eine ganz gewöhnliche Milieu-Studie einer niederösterreichischen Touristenattraktion, einer Westernstadt mit dem Namen "No Name City". Bald wird klar: Wer hier arbeitet, fühlt sich als Bewohner der Stadt, die Außenwelt scheint weit aus dem Blickfeld geraten zu sein. Cowboys überfallen die Bank, liefern sich Schussduelle mit dem Sheriff, die Gerechtigkeit siegt. Alles perfekte Inszenierung. Doch hinter den Western-Fassaden ist ein ganz anderer Kampf im Gange.

Wie jeder Erlebnispark ist auch die "No Name City" abhängig von publikumsträchtigem Erlebnisangebot und Attraktionen. Doch für die Bewohner ist es mehr als das, sie haben sich hier eine eigene Existenz geschaffen. Seit der neue Pächter über die Stadt regiert, erhitzen sich jedoch die Gemüter. Offen wird Kritik geübt, die Stimmung ist angespannt. Jetzt alles zu verlieren, ist die größte Angst.

Was bisher ein netter Zusammenschnitt von Westernszenen, Kurzinterviews und kollektiver Stammtischrevolution war, entwickelt sich zu einer - vielleicht nicht von Anfang an geplanten - Spiegelung der großen Welt in der kleinen. Florian Flicker ist auf einen wunden Punkt gestoßen und tut das Seine, um die Situation auf den Höhepunkt zu treiben. Die Anwesenheit der Kamera scheint Motivation genug, endlich die große Aussprache zwischen "Volk" und "Regierung" zu fordern.

Mit ironischem Blick zeigt Flicker, der 1998 für "Suzie Washington" den Großen Diagonale-Preis erhalten hat, wie der selbst ernannte Held Waterloo (Waterloo & Robinson bilden mit ihrem Hit "My little World" die thematische Klammer zum Film) mit allen Mitteln, vor allem aber hoch zu Ross, die Stadt zu retten versucht. Ob es ihm gelingt, erfährt man erst im Abspann, zum Soundtrack "Good Old Hollywood is dying". Von Waterloo und Robinson - wem sonst.

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