No

Drama, RCH/F/USA 2012
Ein medialer Kampf wider die Diktatur

Ein medialer Kampf wider die Diktatur

Auf Festivals gefeiert, von der Kritik bejubelt und für einen Oscar nominiert kommt "No" des Chilenen Pablo Larraín nun in unsere Kinos: ein semi-fiktionaler Spielfilm über einen pfiffigen Werber, der den Diktator Pinochet stürzte.

Ob Erfrischungsgetränk oder Mikrowelle: Der PR-Mann René Saavedra (Gael García Bernal) verkauft alles mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft für Chile. Als er von einer Gruppe Oppositioneller angestellt wird, um wirklich etwas für Chile zu tun - nämlich die Diktatur Augusto Pinochets zu beenden - ist er zunächst hilflos.

Obwohl sein Vater ein berühmter Dissident ist und seine von ihm getrennt lebende Frau eine glühende Aktivistin, kennt Saavedra nicht einmal den Unterschied zwischen Kommunismus und Sozialismus. An der geplanten "No"-Kampagne gegen den menschenverachtenden Despoten stört ihn nur, dass sie "nicht lustig" ist.

Hintergrund ist ein 1988 von Pinochet auf internationalen Druck anberaumtes Referendum, bei dem darüber abgestimmt wurde, ob der Diktator seine 16-jährige Schreckensherrschaft um eine weitere Amtsperiode verlängern soll.

Um den demokratischen Anschein zu wahren, erhalten Gegner wie Befürworter einen Monat lang täglich 15 TV-Minuten im Staatsfernsehen für eine Werbekampagne - mitten in der Nacht, damit es ja niemand sieht.

Die Schikanen für die Gegner sind auch sonst erheblich: Saavedra - keine historische Figur, sondern aus verschiedenen Beteiligten zusammengesetzt - und seine Compadres werden beschattet, bedroht und müssen konspirativ vorgehen.

Saavedra muss sich außerdem gegen die Absicht der Geldgeber durchsetzen, die Pinochets blutigen Untaten - Folter, Verschleppung, 3.000 getötete Regimegegner - zu abschreckenden Werbespots verarbeitet sehen wollen. Saavedra bevorzugt dagegen Musik, Tanz und Glückseligkeits-Versprechen im Coca-Cola-Stil.

Hier nimmt der Film, der zu Beginn eher bedrückend wirkt, dank humoristischem Rückenwind Fahrt auf: Die fetzigen "No"-Spots entfalten Wirkung, worauf die "Si"-Werber mit ähnlichen Mitteln ins Ping-Pong-Spiel einsteigen. Obwohl man das historische Ende kennt, ist der Ausgang dennoch spannend.

Dass Saavedra nicht als besserer Mensch aus dem Drama hervorgeht, sondern selbst als Katalysator eines weltbewegenden Geschehens der alte Simpel bleibt, ist eine hübsche Pointe. Wir sehen ihn am Schluss weiter mit der besseren Zukunft Chiles werben - für eine TV-Kuppelshow.

Larraín verwendete beim Filmen das in den 80er-Jahren gebräuchliche U-matic-Videoverfahren. Das verleiht den Aufnahmen nicht nur einen historisierenden authentischen Touch, sondern ermöglicht auch fließende Übergänge zwischen Spielszenen und Archivmaterial; zeitweise lassen sich Alt und Neu kaum unterscheiden.

Inhaltlich ist das Thema erstaunlich aktuell: Politik mit möglichst unreflektierten Emotionen statt konkreten Fakten zu verkaufen, ist Alltag geworden - und das nicht zum Besten aller. Dass in "No" die Manipulationspsychologie für einmal zu etwas Gutem verwendet wurde, verleiht dem Film eine zusätzliche heitere Note - die dunklen Untertöne schwingen dennoch mit.

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