Neruda: Die kunstvolle Jagd auf Chiles Dichterfürst

Drama, RCH/RA/F/E/USA 2016

Pablo Neruda muss aus Chile flüchten

Drei Jahre nach dem WK II: Ein Polizist (Bernal) soll den abgetauchten Dichter Pablo Neruda (Gnecco) fassen. Der vom Volk verehrte glühende Kommunist ist der faschistischen Regierung ein Dorn im Auge Keine sture Biografie, die Tatsachen werden mit Fiktion vermischt.

Darum geht's in ‚Neruda‘:

In "Neruda" schildert Regisseur Larrain, wie der Dichter 1948 wegen Kritik an der Regierung Chiles verfolgt wird und nach Europa flieht. Mit dem Polizisten Oscar Peluchonneau, hervorragend in Film-Noir-Manier gespielt von Gael Garcia Bernal, liefert er sich ein Katz-und-Maus-Spiel. Regisseur Larrain hat diese Flucht mit großartigen Bildern in Szene gesetzt. Ein Road-Trip, der bisweilen wie ein Traum erscheint, in dem sich Realität, Fantasie und Poesie zu einem beeindruckenden Kinoerlebnis vermischen.

Dem chilenischen Regisseur, der zuletzt mit dem Film "Jackie" über die Witwe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy Erfolge feierte, gelingt ein Kunststück: Er zeigt seinen Landsmann als Helden und politischen Kämpfer, der die Solidarität der einfachen Leute besitzt. Andererseits ist Neruda ein selbstverliebter Genussmensch, der an sich selbst denkt und die Verfolgung sogar zu genießen scheint.

Außerdem war der Dichter (1904 - 1973) überzeugter Kommunist und wurde mit seinen Gedichten weltberühmt. Auch politisch war der Literaturnobelpreisträger aktiv und kandidierte 1969 sogar für das Amt des chilenischen Präsidenten. Er verzichtete dann jedoch zugunsten seines Schriftstellerkollegen Salvador Allende.

Luis Gnecco ("¡NO!") spielt diesen ungebärdigen Mann, eine Ikone, die mit Künstlern wie Pablo Picasso verkehrte: "Ich persönlich glaube, dass Neruda in der Zeit seiner Flucht, in den späten 40er-Jahren, wie ein Rockstar war." Vor allem aber die Liebe war Nerudas Schwachstelle, nicht umsonst sind seine schwärmerischen Liebesgedichte weltberühmt: "Viele Frauen glauben, er mache Liebe mit einer Rose zwischen den Zähnen", sagt Polizist Peluchonneau, der das Leben des Dichters aus dem Off kommentiert. Wie gern sich der Dichter verführen lässt, muss seine Lebensgefährtin Delia del Carril immer wieder schmerzhaft erfahren.

Allgegenwärtig ist eines der wohl bekanntesten Gedichte Nerudas: "Puedo escribir los versos más tristes esta noche - Ich könnte die wehmütigsten Verse schreiben in dieser Nacht". Ein 20 Jahre altes Bauerngedicht, wie Peluchonneau schimpft, als Neruda es auf einer Party rezitiert. Später rücken vor allem politische Gedichte wie sein "Canto General" in den Vordergrund, die sich die Armen in Chile unter der Hand besorgen, weil diese Zeilen ihr elendes Leben beschreiben. "Diese Worte gaben ihren Albträumen einen Sinn. Sie zitieren ihn, wenn die Geschichte sie mit Füße tritt", formuliert es der Polizist.

Larrain hat sich schon vielfach mit der politischen Vergangenheit seiner Heimat Chile auseinandergesetzt, so auch in "¡NO!", einem hochpolitischen Film über die Gegner des Diktators Augusto Pinochet. "Neruda" hingegen ist ein "Anti-Biopic" - eine filmische Biografie, die keine ist, weil wahre und erfundene Elemente ineinanderfließen. Das wird bei keiner Figur deutlicher, als bei dem Polizisten, "einer Figur, die durch die Worte des Dichters erschaffen wird", wie es heißt. So ist es kein Wunder, dass sich dieser Peluchonneau in Nerudas Gedanken so gut auskennt, den Fliehenden in der Realität aber immer verpasst.

Eine geradlinig erzählte Lebensgeschichte wäre Neruda nicht gerecht geworden, ist der Regisseur überzeugt. "Er ist nicht zu fassen, es ist nicht möglich, ihn in eine Schublade zu stecken", sagt Larrain. "Wir wollten eine Welt erfinden, so wie Neruda sich die seine erfunden hat. Unser Film ist wahrscheinlich weniger ein Film über Neruda als einer in seinem Geist." Der Anspruch des Filmemachers: "Wir wollten einen Roman erzählen, von dem wir gerne hätten, dass Neruda ihn mit Vergnügen liest."

Unsere Meinung zu ‚Neruda‘:

Kunstvoll gemacht, keine sture Biografie.

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