Naokos Lächeln

Drama/Romanze, J 2010
Film über einen jungen Mann und dessen Liebe

Film über einen jungen Mann und dessen Liebe

Japan in den späten 1960er Jahren: Inmitten studentischer Revolten ist der junge Toru Watanabe hin- und hergerissen zwischen dem Verlust seines besten Freundes Kizuki, der Zuneigung zu dessen Ex-Freundin Naoko und der leichten Beziehung zur lebenslustigen Midori. Die Verfilmung von Haruki Murakamis gleichnamigen Bestseller pendelt zwischen diesen Gefühlen.

Wie auch im Roman steht in der filmischen Adaption das Zwischenmenschliche im Fokus der Aufmerksamkeit. Toru, Kizuki und Naoko werden als unbeschwerte Jugendliche gezeigt, beim spielerischen Fechtkampf mit Stiften oder unmotiviertem Abhängen. Der nicht näher begründete Selbstmord Kizukis reißt dann ohne Vorwarnung ein Loch in dieses Gefüge, das im Verlauf der folgenden zwei Stunden auf unterschiedliche Weise von Toru und Naoko gestopft werden will. Vergeblich.

Um Distanz zwischen sich und die Ereignisse zu bringen, fliehen Toru (Kenichi Matsuyama) und Naoko (Rinko Kikuchi) unabhängig voneinander nach Tokio, begegnen sich zufällig wieder und entdecken bei langen Spaziergängen ihre Zuneigung für einander. Die erste Liebesnacht bringt es aber an die Oberfläche: Kizukis Tod kann nicht vergessen werden, hängt wie ein unheilvoller Schatten über den Protagonisten und resultiert in Naokos Aufenthalt in einem abgeschiedenen Sanatorium. Während Torus Besuche dort bildgewaltig eingefangen werden und die Natur zum gleichwertigen Interaktionspartner gerät, entwickelt sich sein Leben in Tokio weiter. Die fröhliche Midori (Kiko Mizuhara) versucht zu dem grüblerischen jungen Mann durchzudringen, doch Naokos Präsenz scheint zu gewichtig.

Der vietnamesisch-französische Regisseur Tran Anh Hung hält sich in seiner Verfilmung beinahe minuziös an die literarische Vorlage, spiegelt deren spartanische Grundstimmung mit einfachen, oft eindringlichen Bildern wieder und lässt den Darstellern Zeit und Raum, um sich in stillem Schweigen über ihre Existenz und Gefühle klar zu werden. Nur gelingt es weder Toru, Naoko oder Midori wirklich, Struktur in ihre emotionale Aufgewühltheit zu bringen, noch Hung, die Schwere der Geschichte abzufedern oder mehr als eine Nacherzählung zu inszenieren. Die Darsteller selbst sorgen zumindest für die nötige Erdung, allen voran Kikuchi als ätherische Schönheit mit Hang zum Labilen sowie die aufgedrehte und aufmüpfig agierende Mizuhara überzeugen.

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