Mülheim Texas - Helge Schneider hier und dort

Dokumentation, D 2015
Im Film werden viele Facetten des Tausendsassas gezeigt

Im Film werden viele Facetten des Tausendsassas gezeigt

Wenn der Name Helge Schneider fällt, ist das "Katzeklo" meist nicht weit. Der Hit, mit dem der deutsche Künstler 1994 ein Millionenpublikum erreichte, spielt in dem Porträt "Mülheim Texas - Helge Schneider hier und dort" von Andrea Roggon aber keine Rolle. Sie zeigt in ihrem Kinodebüt die vielen Facetten des Universaltalents. Der Film gewann in diesem Jahr einen Förderpreis des Max Ophüls Preis.

Im Vorspann knattert der 59-Jährige auf einem alten Motorrad, ohne Helm, über staubige Wege, singt, plaudert, steigt ab und hampelt vor einem Zaun herum. Schnitt und Blick auf Helge Schneider im Sessel, in einem Studio, neben sich ein Keyboard, er spricht: "Ja, meine Damen, dann wollen wir mal die intimen Fragen beantworten", richtet sich Haar und Bart und harrt der Dinge. Die ganz persönlichen Fragen und Geständnisse bleiben aber aus. Das tut dem Film besser als Erwartungen einer voyeuristischen, nach billigen Sensationen gierenden Masse zu erfüllen. Denn Andrea Roggon zeichnet ein gelungenes Porträt, eines das wohl hinter die Fassade blickt, und einen peniblen Arbeiter hinter dem Freak auf der Bühne zum Vorschein bringt.

"Man muss nicht unbedingt gefilmt werden, wenn man einkaufen geht, die Leute möchten manchmal so 'n bisschen rätseln", äußert sich Schneider. Geheimnisse bleiben dem in Mülheim an der Ruhr geborenen Unterhalter genügend übrig. Denn nicht immer ist klar fassbar, was Mensch, was Kunstfigur ist. Genauso wie Schneider sich ins reale Mühlheim fügt und in seine Fantasiewelt Texas. Ernst einen Schmäh und lachend die Wahrheit kund tun, das beherrscht er. Außerdem wahrt die Regisseurin eine angenehme Distanz, die den Mythos nicht zerstört - und Schneider macht auch seine Grenzen deutlich. "Ich muss jetzt dann gleich alleine sein!"

Bei Proben wirkt er perfektionistisch und penibel, in den Aufnahmen am Land in Mülheim oder in seinem Texas hingegen wie ein übermütiger Jungspund. "Ich rebelliere gegen den Irrsinn der Normalität", sagt Helge Schneider und man glaubt ihm, genauso wenn er sagt: "Ich mag es, nach strengen Richtlinien zu musizieren und auszubrechen". Roggon versucht nicht, ihn in vorgepresste Szenen zu stecken, sondern begleitet den Luftikus und lässt ihn machen. Egal ob am Oldtimer-Traktor im Garten oder in seiner Badewanne im Freien.

Ganz wohl scheint Schneider nicht immer bei der allgegenwärtigen Kamera zu sein, sei es, weil er nicht selbst das Heft in der Hand hat, sei es, weil es einmal nicht um eine seiner Rollen geht, sondern um ihn selbst. Gerade diese Ambivalenz macht den Charme des Films aus. Roggon fängt in langen Szenen viel von Helge Schneider ein, aber lässt dem Zuschauer auch noch Raum, diesen Tausendsassa aus Musiker, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseur und Unterhalter selbst zu interpretieren.

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